Ärzte Zeitung, 14.05.2008

Reklamationsquoten steigen, weil die Erstattungspraxis sich verschärft

PVS-Experte empfiehlt Kollegen, Beanstandungen nicht schweigend hinzunehmen

KÖLN (iss). Wenn Patienten sich über eine Arztrechnung beschweren, sollten die Niedergelassenen das Thema offensiv angehen und mit den Patienten darüber sprechen. Das empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft der Privatärztlichen VerrechnungsStellen (PVS).

In vielen Fällen sind nicht Misstrauen oder Unzufriedenheit der Patienten Anlass für eine Beschwerde, sondern die verschärfte Erstattungspraxis der Kostenträger, weiß Franz-Arnold Thüning, Geschäftsführer der PVS Westfalen-Nord.

Nach einer Auswertung der PVS Niedersachsen ist etwa im ersten Quartal 2008 bei Mitgliedern der Postbeamtenkrankenkasse die Quote der Reklamationen von 6,7 Prozent auf 10,2 Prozent gestiegen. "Die Ursache für die Beanstandungen ist der zunehmende Kostendruck bei der Beihilfe", sagt Thüning.

Die Zahl der berechtigten Reklamationen habe sich nicht verändert. "Bei den Versicherten wird aber häufig der Eindruck erweckt, dass der Arzt falsch abgerechnet hat. Das belastet das Arzt-Patienten-Verhältnis", kritisiert Thüning, der in der PVS-Arbeitsgemeinschaft für den Bereich Marketing und Vertrieb zuständig ist.

Kostenträger machen die Ärzte gern zum Buhmann.

Dabei gehe es häufig um Fälle, in denen der Arzt zwar korrekt nach der Gebührenordnung abgerechnet hat, bestimmte Leistungen aber nicht in vollem Umfang erstattungsfähig sind. "Wenn die Beihilfe Wiederholungsrezepte nicht erstattet, heißt das nicht, dass der Arzt sie nicht abrechnen darf", betont Thüning. Ihn ärgert: Durch die Art, wie die Kostenträger die Patienten informieren, erscheint der Arzt leicht als der Buhmann.

Nach seiner Erfahrung verzichten Niedergelassene häufig auf die Einforderung auch berechtigter Ansprüche aus Angst davor, einen Patienten zu verlieren. Der PVS-Experte vermutet, dass die Kostenträger zum Teil sogar darauf setzen. Das sei aber nicht nur in finanzieller Hinsicht schädlich: "Es könnte wie ein Eingeständnis von Schuld wirken", warnt Thüning.

Klären könne der Arzt solche Fragen nur durch das Gespräch mit dem Patienten oder mit dem Kostenträger. In ihrer Mittlerfunktion zwischen Versicherer und Arzt seien die Privatärztlichen VerrechnungsStellen dafür oft in einer besseren Position. "Gerade durch die bundesweite Zusammenarbeit der PVS erkennen wir Trends frühzeitig." Die VerrechnungsStellen könnten sowohl eine Klärung im Einzelfall erreichen als auch bei grundsätzlichen Fragestellungen zur Lösung beitragen.

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