Ärzte Zeitung, 24.11.2009

Vernetzung in Eigenregie verspricht Ärzten viel Potenzial

Ein weites Betätigungsfeld sieht der Chef des NAV Virchow-Bundes beim Management von Ärztenetzen.

Vernetzung in Eigenregie verspricht Ärzten viel Potenzial

DÜSSELDORF (iss). Die niedergelassenen Ärzte müssen aufpassen, dass sie sich in einem zentralen Feld nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen: bei der Patientenversorgung in professionell gemanagten Netzen. Darauf machte der Vorsitzende des NAV Virchow-Bundes Dr. Klaus Bittmann aufmerksam. "Wenn wir das als Ärzte nicht machen, werden wir das Management von Netzen durch Kapitalgesellschaften bekommen", sagte Bittmann bei einer Veranstaltung auf dem Medica-Kongress.

Auch die Pharmaindustrie und die Banken seien nicht zufällig bereits in diesem Sektor aktiv. "Alle wissen, dass hier Renditen liegen." Für Bittmann steht außer Frage, dass der Vernetzung die Zukunft der Gesundheitsversorgung gehört. "Ärzte müssen sich zusammentun, um sich im Wettbewerb zu behaupten."

Eine mindestens genauso große Rolle spielt aber, dass sowohl die Krankenkassen als auch die Politik neue Strukturen wie die interdisziplinäre und sektorenübergreifende Versorgung nach Behandlungspfaden einfordern. "Die Kassen wollen ihren Versicherten solche Versorgungsangebote machen", sagte er. Viele entwickelten selbst Versorgungskonzepte für Volkskrankheiten, die sich in strukturierten Netzen umsetzen ließen. "Das Problem ist, dass die Kassen bei den Ärzten keine richtigen Ansprechpartner dafür finden", sagte Bittmann. Gleichzeitig werde die Politik künftig verstärkt auf regionale Versorgungsmodelle setzen. "Wir müssen dann sehen, dass wir das über Verbünde hinbekommen." Die Netze müssten zusammenarbeiten, um die Versorgung in einer großen Region sicherstellen zu können.

Um die künftigen Herausforderungen stemmen zu können, müssten sich die Netze professionalisieren, betonte Bittmann. Der NAV Virchow-Bund wird deshalb im kommenden Frühjahr einen Handlungsleitfaden für das Management von Netzen herausgeben.

Dass es mit der Professionalisierung bei Ärztekooperationen noch nicht so weit her ist, hat eine Studie der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem NAV Virchow-Bund gezeigt. "Es gibt noch viel Nachholbedarf", sagte Studienleiter Stephan Pitum-Weber.

An der Untersuchung zu Ärzten in Gesundheitsnetzwerken hatten sich 400 Mediziner beteiligt. Die am häufigsten angegebenen Kooperationsformen waren die Disease Management Programme, die Integrierte Versorgung und das ambulante Operieren.

32 Prozent der Ärzte waren in einem Netzwerk organisiert, von ihnen arbeiteten 38 Prozent mit einem Netzwerkmanagement. 51 Prozent der Ärzte gaben an, dass sie seltener als "mehrmals monatlich" Kontakt mit den drei engsten Partnern im Netz haben. Der durchschnittliche Zeitaufwand für die Netzarbeit betrug bei 40 Prozent gerade einmal eine bis zwei Stunden im Monat. "Damit lässt sich nicht professionell arbeiten", sagte Pitum-Weber. "Unternehmertum" sei in den meisten Netzen ein Fremdwort, berichtete er.

Um die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit zu erhöhen, müssen seiner Einschätzung nach Sanktionsinstrumente implementiert werden. Pitum-Webert: "Man muss Ärzte auch ausschließen können."

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