Ärzte Zeitung, 17.03.2011

Unternehmerisch denkende Ärzte sind gefragt

Um künftig zu bestehen, müssen Ärzte mehr Augenmerk auf ihre finanzielle Situation richten. Denn die Bedeutung von GKV-Einnahmen geht zunehmend zurück, meinen Experten. Auch bei der Altersvorsorge ist ein Umdenken nötig.

Von Thomas Trappe

Unternehmerisch denkende Ärzte sind gefragt

Niedergelassene Ärzte müssen rechnen können. Medizinische Kenntnisse allein reichen nicht für eine erfolgreiche Praxis.

© Gina Sanders / fotolia.com

LEIPZIG. Unternehmerisches Denken wird für Ärzte mit eigener Praxis immer bedeutender - und in Zukunft wohl unerlässlich für die berufliche Existenz. Davon gehen Betriebswirtschaftler aus, die sich auf den Gesundheitssektor spezialisiert haben. Bei den Mitteldeutschen Fortbildungstagen in Leipzig erklärten sie, wie es um die finanzielle Zukunft der Ärzte bestellt ist.

Der ökonomische Druck auf Ärzte wird immer größer

Dass die Existenz eines niedergelassenen Arztes für immer weniger Mediziner der nahe liegende Lebensentwurf ist, machte Daniel Staroske, stellvertretender Filialleiter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, mit Zahlen deutlich.

 Da der "ökonomische Druck", so Staroske, für niedergelassene Ärzte immer größer werde, entschieden sich mehr Mediziner gegen eine Niederlassung und für die Festanstellung. Um knapp 80 Prozent sei die Zahl der angestellten Mediziner von 2006 bis 2009 gestiegen. Ärzte mit eigener Praxis gab es im gleichen Zeitraum 3,3 Prozent weniger.

Das Budget im Gesundheitssektor werde auch künftig weniger Spielraum lassen, darüber war sich Staroske mit den anderen Referenten einig. "Die Ärzte müssen sich um mehr Selbstzahlerleistungen bemühen", sagte er, "nötig ist eine Stabilisierung der Privat-Umsätze, da der GKV-Anteil an den Praxis-Einnahmen sinken wird".

Nur noch 50 Prozent der Einnahmen im Gesundheitswesen kommen aus der GKV. Diese Zahlen nannte Jörg Otto, Teamleiter Gesundheit und Pflege bei der Deutschen Kreditbank in Leipzig.

Die Zukunft liegt in der räumlichen Konzentration

Vor allem in Kliniken sei "ein Wegfall von nicht-wirtschaftlichen Leistungen" zu beobachten - und eine räumliche Konzentration. Eben diese sei wohl auch für niedergelassene Ärzte ein tragfähiges Modell der Zukunft.

Jörg Otto selbst berät Ärzte, die eine "Gesundheitsimmobilie" bauen wollen und dazu einen Bankkredit brauchen. Dabei sollte es sich, empfahl er, um einen organisatorisch zusammenhängenden Praxisverbund handeln.

 Dieser Verbund sollte sich mindestens durch einheitliche Sprechzeiten und einen gemeinsamen Empfang auszeichnen. "Der einzelne Arzt braucht so weniger Raum für seine Praxis und profitiert durch eine hohe Frequenz an Patienten, da sich solche Häuser zudem in der Regel in der Innenstadt befinden."

Eine gute Planung sei für solche Vorhaben allerdings unerlässlich, betonte Otto. Die Einnahmen sollten nur "vorsichtig bis zurückhaltend" prognostiziert werden. Außerdem müsse genau analysiert werden, welche medizinische Angebotsstruktur schon vorhanden ist. Bei Gesundheitsimmobilien sollten schon vor Projektbeginn 50 Prozent der Praxen vergeben sein.

Altersvorsorge braucht mehr Standbeine als die Praxis

Kredite würden bei der DKB am ehesten gewährt, wenn die Kreditnehmer die Ärzte sind, die das Haus mitnutzen und zum Teil vermieten wollen. Es gibt viele Modelle, die wegweisen von der klassischen Praxisgründung, machten die Referenten klar.

Auch bei der Altersvorsorge von Ärzten sei ein Umdenken nötig. Die Idee, mit dem späteren Verkauf der eigenen Praxis die Rente zu bewältigen, scheitere bei immer mehr Ärzten in strukturschwachen Regionen. Allein aus einem einzigen Grund: Sie würden schlicht keine Nachfolger finden.

Für Mediziner sei es deshalb auch nötig, sich rechtzeitig um die Altersvorsorge zu kümmern, sagte Michael Kammann, Experte bei der Versicherungskammer Bayern. "Damit sie später keine böse Überraschung erleben."

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