Ärzte Zeitung, 19.05.2011

Bewegung auf Rezept kommt Arzt-Patienten-Verhältnis zugute

Ärzte im Norden motivieren ihre gesunden Patienten mit einem Rezept zu mehr Bewegung. 430 Arztpraxen beteiligen sich mittlerweile an dem Programm.

Von Dirk Schnack

Bewegung auf Rezept kommt Arzt-Patienten-Verhältnis zugute

Dr. Annemarie Uebe

© Schnack

LÜBECK. Das Rezept für Bewegung entwickelt sich im Norden zum Marketinginstrument für Arztpraxen. Jeder zehnte Arzt nutzt es bereits, um Patienten zielgerichtete Angebote zu empfehlen.

"Das ist eine grandiose Lösung. Damit kann ich meinen Patientinnen etwas mitgeben", sagt die Lübecker Frauenärztin Dr. Annemarie Uebe zum Rezept für Bewegung.

Sie betreut viele gesunde Patientinnen in ihrer Praxis. Damit das so bleibt, ermuntert Uebe sie zur Vorsorge durch Bewegung in einem Sportverein. Dafür gibt sie in eine Datenbank wenige Schlagworte ein, um ein für die Patientin passendes Angebot zu finden.

Patient zahlt nur bei Inanspruchnahme

Die angezeigte Auswahl enthält eine kurze Beschreibung des Angebotes, das sie mit der Patientin besprechen kann. Anschließend druckt Uebe das Rezept, das im Aussehen an konventionelle Verordnungen erinnert, aus.

Die Ärztin bekommt kein Honorar dafür und der Patient zahlt beim Anbieter des Kurses nur bei Inanspruchnahme. Wie viele Rezepte die Ärzte in Schleswig-Holstein inzwischen ausgedruckt haben, ist nicht bekannt.

Thomas Niggemann, Geschäftsführer Breitensport beim Landessportverband (LSV), bekommt aber zahlreiche positive Rückmeldungen. "Viele Übungsleiter berichten uns, dass Menschen mit diesen Rezepten in die Übungsstunden kommen", sagt Niggemann.

Mehr als 430 Arztpraxen beteiligen sich

Bewegung auf Rezept kommt Arzt-Patienten-Verhältnis zugute

Rückengymnastik in Lübeck: Eines von über 720 Angeboten, unter denen Ärzte für ihre Patienten wählen.

© Dirk Schnack

Die Datenbank mit den Angeboten der Sportvereine umfasst mehr als 720 Angebote aus dem ganzen Land. Über 430 Arztpraxen haben sich bereits beim LSV gemeldet, um sich zu beteiligen.

Viele von ihnen begrüßen das Rezept, weil es ihrer Empfehlung, der Patient solle sich mehr bewegen, mehr Nachdruck verleiht.

"Empfehlung kommt Arzt-Patienten-Verhältnis zugute"

"Eine solche Empfehlung kommt auch dem Arzt-Patienten-Verhältnis zugute", sagt Dr. Michael Lohmann von der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die beim Rezept für Bewegung mit dem LSV und den Sparkassen kooperiert.

Wichtig war den Partnern, dass die Ärzte das passende Angebot schnell finden und das Rezept ohne großen Aufwand ausdrucken können. Die Sportvereine erhoffen sich vom Rezept Kontakte zu Menschen, die bislang nicht regelmäßig Sport betrieben haben.

Ein Teil der Angebote ist zertifiziert

Uebe hat von solchen Patienten bislang häufig gehört, Fitnessstudios seien zu teuer. Dieser Einwand gilt beim Rezept für Bewegung nicht mehr.

Ein Teil der Angebote ist zertifiziert, diese Kurse sind erstattungsfähig bei den Krankenkassen. Langfristiges Ziel ist aber die Mitgliedschaft in einem Sportverein. Uebe will die Patienten, die von ihr ein Rezept bekommen haben, beim nächsten Besuch in der Praxis auf ihre Erfahrungen ansprechen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Bluttest erkennt acht Krebsformen gleichzeitig

Ein universeller Bluttest auf Krebs zur Früherkennung: Dieser Vision sind US-Forscher jetzt einen Schritt nähergekommen. mehr »