Ärzte Zeitung, 12.10.2011

Kommentar

Vorbild, aber keine geniale Blaupause

Von Dirk Schnack

Das Modell der Verwaltungsgemeinschaften, die niedergelassenen Ärzten Dienstleistungen nach Wunsch abnehmen, ist verblüffend einfach: Jeder Arzt bestimmt selbst, in welchem Umfang er sich entlasten lässt. Kein Arzt muss befürchten, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wird, jeder enthält gegen eine Pauschale die gewünschte Unterstützung.

Dass ein Arzt für das Geld mehr Hilfe abfragt als sein Nachbar, spielt im Alltag in Stralsund und Greifswald kaum eine Rolle. Wichtig ist dabei, dass Ärzte und Vertreter des Managements ihre Rollen kennen und respektieren.

Die Gemeinschaften halten den Ärzten nicht nur erfolgreich den Rücken frei, sondern sorgen auch für eine höhere Zufriedenheit und sind bei der Praxisübergabe ein wichtiges Argument für interessierte Ärzte. Denn der Einstieg in die Niederlassung fällt mit Unterstützung der Gemeinschaft leichter.

Eine Blaupause für die flächendeckende Gründung solcher Gemeinschaften gibt es aber nicht. Die Verbünde in Stralsund und Neubrandenburg funktionieren auch deshalb so gut, weil sie über Jahrzehnte gewachsen sind und ihren Kern in früheren Polikliniken hatten.

Mit Ostalgie hat das nichts zu tun. Die Ärzte sind von den Vorteilen überzeugt.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte behandeln nur - den Papierkram machen andere
Stralsund: Ärzte gliedern Verwaltungskram erfolgreich aus

[13.10.2011, 10:05:27]
Jürgen Fegbeitel 
Die Verwaltungsgesellschaft - Vom Kopf auf die Füße
Als geistiger Vater dieses Modells, das ich als Unternehmensberater zusammen mit einem Rechtsanwalt und Steuerberater umgesetzt habe, sei es mir an dieser Stelle erlaubt, auf den historischen Kontext hinzuweisen. Ein solches Modell könnte nur in der damaligen speziellen Situation der betroffenen Ärzte umgesetzt werden. Dieses Modell ging soweit, dass alle Honorare auf ein Konto flossen, für jeden Arzt eine eigene Kostenstelle geführt wurde, eine (Teil)-Begrenzung der eigenen Haftung vorgenommenb wurde etc. Die organische Entwicklung, die dann erfolgte, war gigantisch. Es wurden ambulante OP-Zentren geschaffen, Großgeräte aufgestellt, die Immobilien erworben und entsprechend umgebaut, fehlende Fachrichtungen aufgenommen usw. usw. usw.
Inzwischen ist es in Stralsund, vielleicht sogar mehr noch in Neubrandenburg gelungen, mit diesen Häusern eine "Leuchtende Stadt auf dem Hügel" zu schaffe.
Genauso deutlich muss aber gesagt werden, dass solche Wege beispielsweise im eher überversorgten Hamburg nur gänzlich anders angegangen werden können. Aber: Nur der Weg muss ein anderer sein, der Grundgedanke, dass der Arzt sich um die Medizin und nicht oder zumindest deutlich weniger um das Kaufmännische, das Juristische oder das Steuerliche kümmert, wird auch in der ambulanten Medizin ein Megatrend werden.
Unternehmensberatung Ass. Jürgen Fegbeitel, Bispingen
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