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Krebskranke Kinder wohnortnah betreut

Im Netzwerk Pädiatrische Onkologie (PädOnko) Weser-Ems haben sich Kliniken, niedergelassene Pädiater und Pflegedienste zusammengeschlossen. Sie stellen die wohnortnahe Versorgung krebskranker Kinder sicher.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Dr. Hermann Müller, Chefarzt der Kinderonkologie im Klinikum Oldenburg: "In den Familien geht es auch sehr um die psychosoziale Betreuung."

Dr. Hermann Müller, Chefarzt der Kinderonkologie im Klinikum Oldenburg: "In den Familien geht es auch sehr um die psychosoziale Betreuung."

© Beneker

OLDENBURG. Zehn Jahre alt, vielfach preisgekrönt aber noch nicht am Ziel: Das Oldenburger Netzwerk PädOnko zur Versorgung von krebskranken Kindern im ländlichen Nordwesten Deutschlands will jetzt eine elektronische Patientenakte auf den Weg bringen.

Das Netzwerk soll für SAP als Pilotprojekt den Weg in den Markt bereiten.

Im Jahr 2001 haben sich Kinderärzte aus den elf Kinderkliniken beziehungsweise Abteilungen in Aurich, Delmenhorst, Emden, Leer, Lingen, Meppen, Nordhorn, Oldenburg, Papenburg, Vechta, Wilhelmshaven und niedergelassene Pädiater sowie Selbsthilfegruppen und ambulante Pflegedienste im Verbund Pädiatrische Onkologie (PädOnko) Weser-Ems zusammengeschlossen. Das Ziel: die wohnortnahe Betreuung krebskranker Kinder.

Weniger Überlandfahrten als Ziel

Dabei geht es vor allem darum, den Eltern die langen Überlandfahrten ins Klinikum Oldenburg zu ersparen, die sie sonst auf sich nehmen müssten, um das Blutbild ihrer leukämiekranken Kinder kontrollieren und den Katheter spülen zu lassen.

Das Einzugsgebiet umfasst das platte Land zwischen Weser und der holländischen Grenze und reicht von den Nordsee-Inseln bis hinunter in das Osnabrücker Land. Rund 2,5 Millionen Menschen leben hier.

"Zwar gab es bei der Gründung des Netzes 2011 noch die Kliniken in Vechta und Wilhelmshaven, wo die Kontrollen möglich waren, aber seit 2007 verlangt der GBA für spezialisierte Zentren der Kinderonkologien größere Infrastruktur, die im Nordwesten nur Oldenburg vorweisen kann", berichtet Dr. Hermann Müller, Chefarzt der Kinderonkologie am Klinikum Oldenburg, der "Ärzte Zeitung".

650 Patienten werden betreut

Umso wichtiger wurde PädOnko. Seit 2001 fahren zwei speziell ausgebildete Kinderkrankenschwestern über Land und besuchen die Familien. "Die Schwester, die die Kinder bei uns auf Station versorgt hat, fährt dann auch später in die Familien", sagt Hermann.

In Oldenburg teilen sich zwei Schwestern die Touren. Sie erledigen die Blutabnahme, die Spülung der Broviac-Katheter oder besprechen Reha-Maßnahmen. "In den Familien geht es auch sehr um die psychosoziale Betreuung", sagt Hermann.

Das Netz betreut gleichzeitig rund 650 Patienten, die sich über die vergangenen zehn Jahre unter dem Dach der Netzwerke gefunden haben. Jährlich kommen rund 65 neu erkrankte Kinder hinzu.

Die klinischen und hämatologischen Verlaufskontrollen teilen sich die auswärtigen Verbundkliniken (25 Prozent der Kinder) und das Klinikum Oldenburg (75 Prozent der Kinder).

Die Verbundkliniken können zudem rasch erkennen, ob die Kinder bei septischen Komplikationen tatsächlich ins Klinikum Oldenburg müssen oder nicht.

In zehn bis 20 Prozent der Fälle konnte eine stationäre Aufnahme so verhindert werden, hat die Evaluation ergeben. Alle vier Wochen kommen die Kinder nach Oldenburg zur Kontrolle. "Manche Patienten sehe ich aber nur einmal im Jahr", sagt Müller.

Im Oktober 2007 hat das Netzwerk mit den Krankenkassen eine IV-Vereinbarung geschlossen.

Elektronische Gesundheitskarte in Planung

Zur CeBIT 2012 war der Softwarehersteller SAP auf das Netzwerk aufmerksam geworden und will nun mit den Ärzten im Nordwesten ein Pilotprojekt starten: eine elektronische Gesundheitsakte für die beteiligten Kinder.

 "Damit hätten wir ständig und aktuell die ambulanten und stationären Daten der Kinder auf dem Bildschirm", sagt Müller. Eine deutliche Erleichterung, meint der Kinderarzt.

"Bisher wird zum Beispiel ein Ergebnis des Blutbildes x-mal digitalisiert und ausgedruckt. Wenn alle Beteiligten über ein entsprechendes mobiles Gerät verfügten, wäre die Arbeit bedeutend leichter." Außerdem könnten die Daten direkt zur Evaluation geschickt werden.

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