Ärzte Zeitung, 03.06.2014
 

Porträt

Als Quereinsteiger in die Familienpraxis

Die Klinikkarriere als Pädiater war schon eingeschlagen - jetzt kommt es für Dr. Katharina Krieger und Dr. Nick Merkel ganz anders: Das Ehepaar wird die Hausarztpraxis von Katharinas Vater in Nordfriesland übernehmen.

Von Dirk Schnack

Als Quereinsteiger in die Familienpraxis

Dr. Wolfgang Krieger (rechts) will seine Hausarztpraxis an Tochter Katharina und Schwiegersohn Dr. Nick Merkel weitergeben. Die beiden Kinderärzte bilden sich derzeit zu Allgemeinmedizinern weiter.

© Dirk Schnack

VIÖL. Seit 75 Jahren sind die Menschen im nordfriesischen Dorf Viöl gewohnt, dass ein Hausarzt namens Krieger eine Praxis in ihrem Dorf führt.

Zunächst war es Dr. Gerhard Krieger, der ab 1939 als Hausarzt in Viöl arbeitete. 43 Jahre später, 1982 folgte ihm sein Sohn Dr. Wolfgang Krieger - und lange Zeit sah es so aus, als wäre die Familientradition in Viöl damit beendet.

Tochter Katharina wurde Pädiaterin und arbeitete in einer Klinik in Sachsen-Anhalt. Auch ihr Mann Dr. Nick Merkel, Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin, machte Klinikkarriere und war schon Oberarzt an der Universitätsklinik in Halle.

Dann beschloss der Deutsche Ärztetag 2011 den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und Schleswig-Holstein reagierte schnell mit der Umsetzung. Ziel ist es, interessierten Ärzten aus anderen Fächern den Einstieg in die Allgemeinmedizin zu ermöglichen, ohne dass sie erneut eine komplette Weiterbildung absolvieren müssen.

Der Quereinstieg berücksichtigt die schon erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen. Mindestens 18 Monate Weiterbildungszeit sind im Norden für den Quereinstieg nötig, bevor die Prüfung abgelegt werden kann.

Als erste Absolventin hatte dies die Kinderärztin Beate Schadwinkel vor rund einem Jahr geschafft. Sie arbeitet inzwischen in einer Gemeinschaftspraxis mit ihrem Mann Nähe Flensburg.

Gürtel erst mal enger schnallen

Nun also auch das Ehepaar Krieger/Merkel. Ohne den Quereinstieg wären sie nicht in den Norden der Republik gezogen und Wolfgang Krieger hätte sich nach anderen Nachfolgern umsehen müssen. Das Ehepaar absolviert die Weiterbildung abwechselnd in der Praxis in Viöl und bei einem Allgemeinmediziner im benachbarten Schwabstedt.

Ganz leicht ist ihnen der Wechsel nicht gefallen. "Wenn man schon als Oberarzt in der Klinik gearbeitet hat, reiht man sich nicht gern als Assistenzarzt ein", sagt Merkel. Auch finanziell ist die Weiterbildung für seine Familie ein Einschnitt. Als Assistenten verdienen beide erheblich weniger als vorher in der Klinik.

In Viöl wird sich das Ehepaar einen Kassenarztsitz teilen. Ihre pädiatrischen Qualifikationen wollen sie nutzen, indem sie eine "Familienpraxis" führen, in der auch Kinder behandelt werden.

Wie viele Quereinsteiger derzeit im Norden in die Allgemeinmedizin streben, ist nicht bekannt. Bei der Ärztekammer müssen sie sich erst melden, wenn sie die Prüfung ablegen wollen. Rund 30 Ärzte haben sich bislang nach den Modalitäten bei der Kammer erkundigt. Die meisten von ihnen sind Anästhesisten und Pädiater.

Auf positive Resonanz stoßen die Quereinsteiger bei den Weiterbildern. Hausarzt Urs Philipzig in Bredstedt etwa bildete kürzlich eine Fachärztin für Psychiatrie für die Allgemeinmedizin weiter und hat mit ihr gute Erfahrungen gesammelt. "Sie war klinisch fit, konnte selbstständig arbeiten und bei den Patienten kam sie gut an", so Philipzig.

Ärzte, die ihre erste Weiterbildung absolvieren, brauchen seiner Erfahrung nach mehr Zeit, bis sie selbstständig arbeiten können. Die große Praxis mit Zweigstelle sucht derzeit wieder Weiterbildungsassistenten und Philipzig hätte nichts dagegen, wenn es wieder ein Quereinsteiger wäre.

Schließlich wird der Allgemeinmediziner im kommenden Jahr 70 - und hat noch keinen Nachfolger. Die erste Quereinsteigerin war im hohen Norden nicht zu halten - sie lernte einen neuen Partner kennen und zog nach Niedersachsen.

Bis 2015 muss man sich entscheiden

Interessenten für den Quereinstieg sollten sich bis Ende 2015 entschieden haben. Bis dahin läuft noch die Frist, bis zu der mit dem Quereinstieg begonnen werden kann.

Wie es später weitergeht, hängt von einer bundesweiten Evaluation dieser Maßnahme ab. Das Ehepaar Krieger/Merkel plant, seine Prüfungen Ende dieses Jahres abzulegen.

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