Ärzte Zeitung, 23.09.2015

Kommentar zum Qualitätsmanagement

QM ist kein Selbstläufer

Von Ilse Schlingensiepen

Obwohl ihnen seit vielen Jahren das hohe Lied des Qualitätsmanagements und seiner vielen Vorteile gesungen wird, sind viele niedergelassene Ärzte nach wie vor skeptisch. Das Qualitätsmanagement bedeutet für sie vor allem zusätzliche Arbeit, ohne dass sie genau erkennen können wofür.

Eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zeigt jetzt, dass sich der Aufwand tatsächlich lohnt - für die Patienten, aber auch für den Arzt selbst.

Nach der Erhebung schlägt sich die Verwendung eines Qualitätsmanagement-Systems in den Praxen direkt in besseren Strukturen und Prozessen nieder. Davon profitieren die Patienten, Diabetiker werden etwa häufiger zum Augenarzt überwiesen.

Die Qualitätsverbesserungen machen sich aber auch finanziell bemerkbar, denn sie erhöhen das extrabudgetäre Honorar: durch zusätzliche Einnahmen aus Disease-Management-Programmen, Impfungen oder Präventionsmaßnahmen.

Das ist ein positiver Effekt des Qualitätsmanagements. Als einziger Anreiz, sich auf diesem Gebiet zu engagieren, taugt er allerdings nicht. Denn die Studie hat auch gezeigt: Wenn Ärzte die Systeme ohne Überzeugung umsetzen, tragen sie in der Regel weniger Früchte. Das gilt dann auch für den finanziellen Aspekt.

Lesen Sie dazu auch:
Studie zeigt: Qualitätsmanagement nützt Ärzten und Patienten

[23.09.2015, 17:50:59]
Kurt-Michael Walter 
QM vr. PR
Ich kenne zwar das hohe Lied des Qualitätsmanagements nicht aber dafür die die Methoden und Techniken die zum Qualitätsmanagement benötigt werden. Im Wissen darüber, dass Qualitätsmanagement letztlich doch nur eine Methode zur Fremd-Zertifizierung darstellt ist der Nachweis für den Nutzen für niedergelassene Ärzte fraglich und mit Recht eine weitere Arbeits- und Fix-Kostenbelastung durch den QM-Zertifizierer.

Erkennbar ist zur Zeit lediglich der Nutzen für QM-Zertifizierer - Sie ist die Institution, bei der eine Zertifizierung beantragt wird, die die Überprüfungen begleitet und gemäß dem Zertifizierungsreport ein Zertifikat erteilt und veröffentlicht. Natürlich auch gerne jährlich Nachzertifiziert damit das Erst-Zertifikat auch weiterhin zu Qualitätszwecken (Werbung und PR) genutzt werden kann bzw. benutzt werden darf.

Die zitierte KVWL Studie weist selbst hohe Qualitätsmängel auf und ist deshalb als Studie für weiterführende Aussagen zum QM kaum nutzbar. Letztlich ist die Studie nur peinlich für die KVWL.

Ob sich durch das QM extrabudgetäre Einnahmen generieren lassen ist noch zu beweisen, ein nachplappern von falschen Argumenten aus einer untauglichen Studie sensibilisiert nicht zum QM.
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »