Ärzte Zeitung, 31.01.2011

"Falscher Notarzt" behandelt 150 Patienten

STUTTGART (eb). Einem 27-jährigen Mann aus dem Rems-Murr-Kreis wird vorgeworfen, in zwei Kliniken über 150 Patienten ärztlich behandelt zu haben, obwohl er keine entsprechende Ausbildung hatte. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat nun Anklage erhoben.

"Falscher Notarzt" behandelt 150 Patienten

Notarzt im Einsatz: Im Südwesten muss sich ein jünger Mann vor Gericht verantworten, der trotz fehlender ärztlicher Ausbildung als Notarzt im Einsatz war.

© Revierfoto / imago

Dem Mann, der lediglich einen Hauptschulabschluss besitzt, wird gefährliche Körperverletzung in insgesamt 161 Fällen in Tateinheit mit Missbrauch von Titeln und unerlaubte Ausübung der Heilkunde sowie Urkundenfälschung vorgeworfen. Der Verdacht, dass er den Tod zweier Patienten zu verantworten hat, bestätigte sich nicht.

Der Angeklagte hatte sich durch ein freiwilliges soziales Jahr in einem Krankenhaus und seine langjährige Mitgliedschaft im DRK so viel medizinische Kenntnisse angeeignet, dass seine fehlende medizinische Ausbildung nicht aufgefallen war.

In erster Linie aufgrund einer finanziellen Notlage kam der Angeschuldigte auf die Idee, seine medizinischen Grundkenntnisse dazu zu nützen, sich als Anästhesiearzt zu bewerben.

Um möglichst glaubwürdig zu erscheinen, fertigte er sich eine täuschend echt aussehende Approbationsurkunde mit frei erfundenen Personalien und legte diese neben einem ausführlichen Lebenslauf bei seinen Bewerbungen vor.

Der Angeschuldigte erhielt Honorarverträge und arbeite von August bis Dezember 2009 in einer Klinik in München und im Anschluss daran im Januar 2010 auch in einer Klinik in Horb.

Als sogenannter "Helfer vor Ort" nahm er im Zeitraum zwischen Oktober 2009 und Januar 2010 im Rahmen von insgesamt neun Rettungseinsätzen des DRK ärztliche Maßnahmen an Patienten vor.

Sein Aufgabenbereich umfasste vor allem Blutentnahmen, das Legen venöser Zugänge, die Injektion von Narkosemitteln und sonstiger Medikamente mittels Kanülen und Spritzen.

Für diese Tätigkeiten erhielt er Vergütungszahlungen in Höhe von knapp 20.000 Euro, auf die er aufgrund der vorangegangenen Täuschung über seine medizinische Ausbildung keinen Anspruch hatte.

Der falsche Kollege flog auf, als er sich schriftlich im Backnanger Kreiskrankenhaus bewarb. Sein Schreiben sei voller orthografischer Fehler gewesen, berichtete die Stuttgarter Zeitung. Das machte den Direktor stutzig. Er erkundigte sich bei der Ärztekammer nach dem Bewerber, der dort unbekannt war.

Dem Mann, der seit Februar 2010 in Haft sitzt, droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Topics
Schlagworte
Recht (12171)
Klinik-Management (11422)
Organisationen
DRK (633)
[01.02.2011, 09:07:08]
Dr. Roland Sautter 
Srafe und Talent
Strafe, ein Denkzettel muss sein,da er andere Risiken aussetzte , die er nicht adäquat abschätzen konnte.Die Strafe soll ihn ja bessern.Insofern würde vielleicht -es scheint ja erfreulicherweise nichts Schlimmes passiert zu sein- unter Auflagen eine Perspektive im Pflegebereich nützlich sein.Talente scheinen ja da zu sein, die man fördern könnte in den entsprechenden Bahnen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »