Ärzte Zeitung, 28.07.2014

Transplantationsskandal

Staatsanwältin stellt neue Beweisanträge

GÖTTINGEN. Im Prozess um den Transplantationsskandal in der Göttinger Unimedizin soll jetzt auch die frühere Tätigkeit des angeklagten Chirurgen an der Uni-klinik Regensburg thematisiert werden. Einen entsprechenden Beweisantrag stellte am Freitag die Staatsanwaltschaft.

Demnach soll sich das Landgericht Göttingen auch mit dem Bericht einer Prüfungskommission der Bundesärztekammer befassen, die 2006 die Aktivitäten von Regensburger Transplantationsmedizinern in Jordanien untersucht hatte.

Der Angeklagte war vor seinem Wechsel nach Göttingen in Regensburg tätig gewesen. Gemeinsam mit seinem damaligen Chef hatte er eine Kooperation mit einer Klinik in Amman aufgebaut und dort Leber-Lebendspende-Transplantationen vorgenommen.

Anlass für den Prüfbericht war ein Vorfall im Jahr 2005. Nachdem es bei einer jordanischen Patientin nach einer Leber-Lebendspende-Transplantation zu Komplikationen gekommen war, wurde ihr die Leber eines verstorbenen Patienten aus Österreich eingepflanzt.

Nach Ansicht der Prüfer war dieser Organ-Transfer aus dem Eurotransplant-Gebiet unzulässig, auch insgesamt bewerteten sie das Regensburger Kooperationsprogramm in der jordanischen Klinik als problematisch.

Die Staatsanwältin wies in ihrem Beweisantrag darauf hin, dass der Chirurg damals auf Nachfrage von Eurotransplant wahrheitswidrig geantwortet habe. Dies zeige, dass der Angeklagte schon in der Vergangenheit Falschangaben gemacht habe. Insgesamt belege der Prüfbericht die sehr transplantationsfreundliche Haltung des Angeklagten. Ihm sei es darauf angekommen, möglichst viele Patienten zu transplantieren.

Die Verteidigung warf der Staatsanwältin vor, dass es ihr nur darum gehe, ihren Mandanten zu diskreditieren. Der Regensburger Fall habe mit dem Göttinger Verfahren "wenig bis gar nichts zu tun". Im Übrigen sei das Verfahren damals eingestellt worden. (pid)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »