Ärzte Zeitung online, 27.04.2017

Veruntreuung?

Ingolstädter Ex-Klinikchef in U-Haft

Laut Staatsanwaltschaft besteht im Falle des ehemaligen Klinikmanagers Verdunkelungsgefahr.

INGOLSTADT. Der frühere Geschäftsführer der Klinikum Ingolstadt GmbH ist seit Freitag in Untersuchungshaft. Das teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Ingolstadt mit. Zeitgleich wurde der einstige Pressesprecher des Krankenhauses festgenommen. Als Grund nannte die Staatsanwaltschaft Verdunkelungsgefahr. Erst vor Kurzem seien bereits laufende Ermittlungen wegen des Verdachts auf Veruntreuung von Geldern im Umfeld der Klinik erneut ausgeweitet worden. Am Donnerstag seien daher Räume im Umfeld der zwei Männer durchsucht worden. Daraufhin habe es ein Treffen der beiden gegeben, wo sie dem Anschein nach ermittlungsrelevante Unterlagen dabei hatten. "Diese stehen im Zusammenhang mit erheblichen Überschreitungen des PR-Budgets der Klinikum Ingolstadt GmbH, denen nach derzeitigem Ermittlungsstand keinerlei sachliche Rechtfertigung gegenüberstand", heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Der Vorwurf reihe sich in eine Serie mutmaßlicher Veruntreuungen von Klinikgeldern. Unter anderem sollen ausgewählten Firmen ohne Ausschreibung Aufträge zugeschanzt worden sein. Zudem sollen teilweise unverhältnismäßig hohe Summen bezahlt worden sein. Insgesamt seien inzwischen zwölf Personen in Verdacht, mit der mutmaßlich unseriösen Geschäftemacherei zu tun gehabt zu haben. Sie sollen sowohl aus dem Umfeld der Klinik, als auch der Angehörigen früherer Mitarbeiter und mutmaßlicher Geschäftspartner stammen.

Der Anfangshinweis stammte aus der Klinik selbst. Der dortige Ombudsmann hatte Anfang 2016 gegenüber der Stadt einen entsprechenden Verdacht geäußert. Die ließ daraufhin ein Gutachten erstellen, und leitete die Sache dann an die Staatsanwaltschaft weiter. Seit September laufen Ermittlungen, inzwischen wurde bei mehreren Durchsuchungen umfangreiches Material sichergestellt.

"Es kommen ständig neue Aspekte hinzu", bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle der "Ärzte Zeitung" auf Anfrage. Die Ermittlungen würden noch einige Zeit dauern. Es sei unklar, ob noch weitere Hinweise und Verdächtige hinzukämen. Ob dann ein Gerichtsverfahren eröffnet werde, sei ebenfalls noch nicht absehbar.(cmb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »