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Krebstherapie

Onkologen unterschätzen Adhärenz

Die pharmazeutische Intervention bei der Behandlung onkologischer Patienten mit Krebstherapeutika kann die Adhärenz massiv steigern. Das ist nur ein positiver Effekt einer gemeinsamen onkologischen Versorgung durch Ärzte und Apotheker.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Non-Adhärenz kann auf ungenügende Kommunikation zwischen Arzt und Patient zurückzuführen sein.

Non-Adhärenz kann auf ungenügende Kommunikation zwischen Arzt und Patient zurückzuführen sein.

© Photographee.eu / stock.adobe.com

KÖLN. Die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern kann dazu beitragen, die Adhärenz von Krebspatienten zu verbessern. Das gilt insbesondere für die orale Krebstherapie, berichtete Dr. Dorothee Dartsch auf der MCC-Fachkonferenz "Onkologie 2017". "Es zeigt sich, dass die Mitwirkung von Apothekern in den Therapie-Teams einen Unterschied macht", sagte die Geschäftsführerin von Campus Pharmazie, einem Anbieter von Online-Fortbildungen für Apotheker.

So könne es hilfreich sein, wenn die Apotheker eine besondere Aufmerksamkeit auf die Nebenwirkungen richten, die typisch sind für orale Krebstherapeutika. Dartsch verwies auf eine Studie, nach der sich die Adhärenz der Patienten durch die pharmazeutische Intervention von 60 Prozent auf über 90 Prozent erhöht hatte.

Mehr Verantwortung für Hausärzte

Bei allen Vorteilen für die Patienten, die zu einer verbesserten Lebensqualität führen, habe die orale Krebstherapie gegenüber der intravenösen auch Nachteile, sagte sie. So werde das Monitoring schwieriger, das Anwendungsschema sei komplexer. Der Patient sei mehr gefordert, wenn es um das Erkennen von unerwünschten Arzneimittelwirkungen oder Interaktionen gehe. "In der oralen Krebstherapie liegt viel mehr Verantwortung beim Patienten als in der parenteralen", so Dartsch.

Sie sieht auch eine größere Verantwortung für die betreuenden Hausärzte. Wenn Patienten über Nebenwirkungen berichten, müssten die Hausärzte erkennen, dass sie auf die oralen Onkologika zurückzuführen sind und die Patienten an den Onkologen verweisen. "Wir müssen erreichen, dass die Patienten auch bei der oralen Krebstherapie adhärent sind", forderte die Pharmazeutin. Die Einhaltung des Therapieschemas und damit die Adhärenz spielten eine entscheidende Rolle für das Ergebnis. "Krebspatienten sind trotz der Schwere der Erkrankung nicht grundsätzlich adhärent und auch nicht adhärenter als Patienten mit anderen Krankheitsbildern."

Nach einer Befragung unterschätzen drei Viertel der Onkologen die Adhärenz ihrer Patienten, berichtete sie. "Es ist wichtig, dass die Onkologen nachfragen." Die Maßnahmen zur Steigerung der Adhärenz hängen dabei davon ab, ob die Nicht-Adhärenz beabsichtigt ist oder nicht.

Unbeabsichtigte Therapie-Abweichungen können auf Faktoren wie nicht verstandene Hinweise, Vergessen, falsche Einnahmeabstände zu Mahlzeiten oder unbeachtete Wechselwirkungen zurückzuführen sein. Hier könnten Hilfestellungen wie Informationen und Anleitungen, Dosierhilfen oder die Einbeziehung Angehöriger für Abhilfe sorgen.

Krisenintervention kann helfen

Anders sieht es auch bei gezielten Therapieunterbrechungen wegen schlechten Befindens, Angst vor Nebenwirkungen, guten Befindens oder wegen eines Urlaubs oder anderer besonderer Umstände aus. In solchen Fällen hält Dartsch ebenfalls die gezielte Information und Aufklärung für notwendig, aber auch eine motivierende Gesprächsführung, das Angebot von psychologischen Hilfen oder eine Krisenintervention.

Wichtig ist bei Non-Adhärenz auf jeden Fall die engmaschige Betreuung. "Die Fehlerquellen bei der heimischen Anwendung sind zahlreich."

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Kommentare
Doris Schmitt 02.06.201713:39 Uhr

Therapietreue

Alleine bei der Behandlung von HR+ Mammakarzinom unterbrechen viele Patientinnen bereits nach einem Jahr wegen der Nebenwirkungen ihre Behandlung, nach vier Jahren nehmen nur noch die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen mit frühem HR+ Brustkrebs ihre Tabletten wie Tamoxifen oder einen Aromataseinhibitor ein. Die behandelnden Ärzte sind sich oft nicht des enormen Leidensdrucks der betroffenen Frauen bewusst. Durch immer weniger Zeit in der Arzt-Patienten Kommunikation wird sich das auch in Zukunft wenig ändern. Vor allem die ältere Patientin spricht das Thema selten ganz gezielt und selbstbewusst an.
Schon ein Hinweis des Arztes, dass bei auftretenden Problemen in der Tabletteneinnahme sofort Kontakt aufgenommen werden sollte, könnte helfen. Wenn Patientinnen Vertrauen zu ihrem Arzt haben und wissen, dass sie alles mit ihm/ihr besprechen können, verbessert sich die Adhärenz.
Doris C. Schmitt Mitglied im Verband der Medizinjournalisten/Training Arzt-Patienten Kommunikation

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