Ärzte Zeitung, 11.01.2017
 

Modell

Unterstützung für das Patientengespräch

Ein Modell zur Patienten-Kommunikation kann Ärzten helfen, Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen den Wunsch nach einer Antibiotika-Behandlung auszureden.

NEU-ISENBURG. Wenn Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen in die Praxis kommen, haben sie oftmals konkrete Vorstellungen davon, wie die Therapie aussehen sollte – zum Beispiel in der Verordnung eines Antibiotikums. Da allerdings 90 Prozent der Atemwegsinfektion viral bedingt sind, ist in den meisten Fällen kein Antibiotikum indiziert. Dieser Zusammenhang sollte den Patienten im Gespräch so vermittelt werden, dass sie von ihrer falschen Erwartung abrücken und eine andere, der Atemwegsinfektion angemessene Therapie akzeptieren.

Ein Verfahren, das die Kommunikation mit Patienten erleichtern kann, empfiehlt das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und Kontrolle (ECDC) in seinen Materialien "Patientendialog" zum Europäischen Antibiotikatag: die Elicit-Provide-Elicit-Methode (Patientendialog; http://ecdc.europa.eu/de). Die Methode kann behandelnde Ärzte bei schwierigen Beratungsgesprächen über die angemessene Therapie bei akuten Atemwegsinfektionen unterstützen. Nach diesem Modell wird im Gespräch mit dem Patienten auf dessen individuell unterschiedliche Therapieerwartungen sowie auf seine Sorgen in Bezug auf die Erkrankung eingegangen. Der Verlauf der Atemwegserkrankung wird erläutert, zudem werden Möglichkeiten zur Selbstbehandlung aufgezeigt.

Dabei befürwortet die ECDC keine einzelne Selbstmanagement-Strategie wie beispielsweise Phytotherapeutika, wie dies im Artikel "Strategie ‚Phytos first‘ kommunizieren" angedeutet wurde, der in der Beilage "Forschung & Praxis" (Ausgabe 540/2016), dem Wissenschaftsjournal der "Ärzte Zeitung", erschienen ist. Die ECDC weist darauf hin, dass Selbstmanagement-Strategien mit dem Trinken von reichlich Flüssigkeit und Ruhe beginnen und auch andere Medikamente wie Schmerzmittel, Entzündungshemmer, orale Schleimlöser, Nasensprays sowie Antihistaminika umfassen können.

Nach Angaben der ECDC gelingt es mit Hilfe der Elicit-Provide-Elicit-Strategie, deutlich weniger Antibiotika zu verschreiben und gleichzeitig ein hohes Maß an Patientenzufriedenheit aufrechtzuerhalten, ohne dass sich dies negativ auf die Genesungsdauer und die Beratungszeit auswirkt. (mar)

Topics
Schlagworte
Arzt und Patient (1233)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »