Ärzte Zeitung online, 12.07.2017

Phänomen

Breaking Bad News belasten Ärzte

Ob studierender oder praktizierender Arzt: Beide zeigen deutliche Belastungsreaktionen, wenn sie Patienten schlechte Nachrichten überbringen müssen. Das haben Schweizer Forscher entdeckt.

Von Christiane Gelitz

Breaking Bad News belasten Ärzte

Ärzte reagieren auf das Überbringen schlechter Nachrichten deutlich, so eine neurologische Untersuchung.

© rocketclips/ stock.adobe.com

"Es tut mir leid, wir haben bei Ihnen einen Tumor gefunden" – diese Nachricht zu überbringen, würde wohl den meisten Menschen schwerfallen. Ein solches Gespräch, Fachbegriff: "breaking bad news", belastet auch Medizinstudenten und erfahrene Ärzte, und zwar seelisch ebenso wie körperlich.

Das berichten Wissenschaftler jetzt im "International Journal of Psychophysiology". Regina Studer und ihre Kollegen vom Institut für Arbeitsgesundheit der Universitäten von Genf und Lausanne werteten sieben Laborexperimente aus, an denen mehr als 250 größtenteils Medizinstudenten, teils aber auch erfahrene Ärzte teilgenommen hatten.

Erhöhtes Stresslevel

"Alle Studien belegen, dass die psychische und die physiologische Aktivierung beim Überbringen schlechter Nachrichten im Vergleich zu neutralen oder positiven Mitteilungen zunahm", so das Ergebnis der Schweizer Forscher.

Anders gesagt: Neben dem subjektiven Stresserleben seien unter anderem auch die Herzfrequenz, die Hautleitfähigkeit und der Cortisolspiegel gestiegen. Die Stresssignale traten ebenfalls verstärkt auf, wenn die Medizinstudenten die "bad news" lediglich vorlesen sollten.

In der Regel setzten die Stressreaktionen zu Beginn ein und zeigten einen von drei typischen Verläufen, wie eines der Experimente ergab. Die Art und Weise, in der die Mediziner die schlechten Nachrichten überbrachten, spielte dabei keine Rolle.

So sank bei rund jedem zweiten Mediziner die körperliche Aktivierung, gemessen an der Hautleitfähigkeit, schnell wieder auf Normalniveau. Bei den übrigen nahm sie zwar ebenfalls ein Stück ab, blieb aber letztlich auf leicht oder deutlich erhöhtem Niveau.

Laut Studer und Kollegen ließ das darauf schließen, dass "rund jeder dritte eine anhaltende, deutliche Stressreaktion zeigte". Die Befunde müssten sich allerdings noch im medizinischen Alltag bewähren.

Topics
Schlagworte
Arzt und Patient (1685)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Warum Schlafmangel heißhungrig macht

Schlafmangel kurbelt den Hunger an, das kennen viele aus Erfahrung. Warum das so ist, haben jetzt Forscher entschlüsselt: Es liegt nicht an den Hormonen. mehr »

Fertigprodukte mit weniger Fett und Zucker

Bis 2025 soll es weniger Salz, Fett und Zucker in Convenience-Produkten geben. Laut Medienberichten hat sich Ernährungsministerin Klöckner mit der Industrie auf Zielwerte geeinigt. mehr »

EU verbietet Einweg-Plastik

Die EU setzt gegen die Meeresverschmutzung auf ein Einweg-Plastik-Verbot – und darauf, dass die Industrie sich künftig an den Reinigungskosten beteiligt. Warum haben gerade Flaschendeckel dem Deal Steine in den Weg gelegt? mehr »