Ärzte Zeitung online, 31.08.2017

Warten auf Termine?

Das trifft inzwischen alle Versicherten

Mehr Patienten als in den Vorjahren müssen auf Termine in den Arztpraxen warten. Überraschend: Die Privatversicherten profitieren davon nicht. Sie warten mit.

Von Anno Fricke

Das trifft inzwischen alle Versicherten

Fast alle Versicherten sind mit ihren Hausärzten zufrieden.

© WavebreakMediaMicro / stock.adobe.com

BERLIN. Privatpatienten sind dabei, ihre Privilegien in den Praxen niedergelassener Ärzte zu verlieren. Die Wartezeiten von gesetzlich und privat versicherten Menschen auf Termine in Deutschland gleichen sich an. Das geht aus der aktuellen Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hervor, die die KBV-Spitze am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Die Gründe liegen wohl gleichermaßen in der Demografie wie der Praxisorganisation. Die Privatversicherten würden älter und benötigten häufiger ärztliche Hilfe. Gleichzeitig weiteten die Ärzte ihre Terminkontingente für Kunden der privaten Assekuranz nicht aus, stellte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen fest.

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Misstrauen für Dr. App

"Es überrascht, aber es gibt keine Kannibalisierung der Terminkontingente zu Gunsten der Privatversicherten", kommentierte Gassen die Ergebnisse der Befragung von rund 6000 Patienten durch die Forschungsgruppe Wahlen. Die Zahlen legten nahe, dass Ärzte Privatversicherte bei der Terminvergabe nicht vorzögen.

Kunden der privaten Assekuranz mussten demnach bei Wartezeiten bis drei Wochen grundsätzlich länger warten als gesetzlich Versicherte. Erst danach dreht sich das Bild. Länger als drei Wochen auf einen Arzttermin warten mussten 15 Prozent der gesetzlich Versicherten, aber nur elf Prozent der Privatversicherten, immerhin aber vier Prozent mehr im Vergleich zur Umfrage des Vorjahres.

Insgesamt mussten 2016 mehr Menschen auf Arzttermine warten als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Patienten, die ohne Wartezeit einen Termin bekamen, sank bei den gesetzlich Versicherten um vier auf 27 Prozent, bei den privat Versicherten um acht auf 30 Prozent. Ein weiterer Trend, der sich aus den Ergebnissen der Befragung herauslesen lässt, ist eine Art von Priorisierung. Bei Terminen für Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen mussten drei Fünftel der Patienten länger als drei Tage warten. Das galt auch für 47 Prozent der Menschen mit einer chronischen Krankheit. Fast drei Viertel der Menschen mit einem akuten Problem waren binnen drei Tagen versorgt, 54 Prozent sogar völlig ohne Wartezeit.

Die Zahl der Arztbesuche hat sich gegenüber 2015 praktisch nicht verändert. Mehr als die Hälfte der Deutschen geht zwischen drei- und zehnmal im Jahr zum Arzt. Ein Drittel bleibt unter drei Arztbesuchen, der Rest kommt auf mehr als zehn Arztkontakte im Jahr.

Auch um mehr Einfluss auf die Steuerung der Patienten in die richtigen Versorgungsebenen zu gewinnen, setzten die Vertragsärzte auf Internet-Medien, sagte KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel. Etwa Anfang kommenden Jahres will das KV-System eine App lancieren, die den Nutzern im Notfall Entscheidungshilfen geben soll, auch indem sie die aktiven ärztlichen Bereitschaftsdienstpraxen in der Umgebung des Nutzers anzeigt.

Die KBV engagiere sich deshalb auch in der Allianz für Gesundheitskompetenz, die das Bundesgesundheitsministerium vor Kurzem ins Leben gerufen habe, sagte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister.

KBV-Umfrage unter Versicherten

- 7 Prozent der Befragten hatten 2016 Probleme, einen Hausarzt zu finden. Tendenz steigend.

- 21 Prozent hatten Probleme, einen Facharzt zu finden. Tendenz steigend.

- 90 Prozent haben ein gutes bis sehr gutes Verhältnis zu ihren Ärzten. Tendenz sinkend.

- 92 Prozent der Patienten, die ärztliche Aufklärung benötigten, fühlten sich danach besser über ihr Problem informiert als vorher.

[31.08.2017, 11:50:33]
Petra Eden 
Zu wenig Ärzte?
Auf der einen Seite scheint es zu wenig Ärzte zu geben und auf der anderen Seite gibt es viele junge Menschen, die sehr gern Arzt aus Leidenschaft werden würden. Dagegen stehen die Aufnahmezahlen NC bedingt. Warum macht man nicht Aufnahmetests wie sie in Österreich auch üblich sind? Dann würden die Ungleichheiten, die durch unsere Schulformen erzeugt werden, ausgeglichen. Ein Abitur an einer IGS in Niedersachsen (möglichst noch Sport und Darstellendes Spiel) können kaum die selbe Leistung sein wie ein Abitur an einem Gymnasium in Bayern mit Mathematik, Chemie, Biologie und Englisch. Leider hat man dann am Gymnasium einen schlechteren NC als an einer IGS, weil dort Lehrer schon im Vorfeld leichtere Arbeiten schreiben lassen. Der Gymnasiast hat dann oft ein höheres Wissen, aber den schlechteren Durchschnitt. Es wäre schön, wenn sich unsere Vergabepraxis dort ändern könnte. zum Beitrag »

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