Ärzte Zeitung online, 11.01.2013

Pharma

Keine Trendwende 2013

Die forschenden Arzneihersteller lecken ihre Wunden: die frühe Nutzenbewertung hat nicht nur bei den Investitionen ihre Spuren hinterlassen. Auch dieses Jahr dürfte keine Trendwende kommen.

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vfa-Chef Pfundner: Soziale Sicherungssystem nicht überfordern.

© Winnat

FRANKFURT/MAIN. Wenn Ende dieses Jahres das Preismoratorium für nicht-festbetragsgeregelte Arzneimittel endet, wird es keine Welle drastischer Preisanhebungen seitens der Pharmahersteller geben.

Dessen ist sich der Vorsitzende des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Dr. Hagen Pfundner sicher. "Ich gehe davon aus, dass wir uns diszipliniert verhalten werden", sagte Pfundner anlässlich einer Präsentation der Wirtschaftsprognose der vfa-Mitglieder am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Auch die forschenden Pharmafirmen seien "nicht daran interessiert, die sozialen Sicherungssysteme zu überfordern".

Aller Voraussicht nach werden sich die Rabatte, die die 45 Mitgliedsunternehmen des Verbandes dann seit Anhebung des Abschlags von sechs auf 16 Prozent im August 2010 an die GKV abgeführt haben, auf sieben bis acht Milliarden Euro summiert haben.

Diese finanzielle Belastung hat im Verein mit der neuen Gesetzgebung zur frühen Nutzenbewertung Spuren hinterlassen. So investierten die vfa-Mitglieder sowohl 2010 mit 1,1 Milliarden Euro als auch 2011 mit 960.000 Euro jeweils 13 Prozent weniger als im Vorjahr.

Vergangenes Jahr dürfte das Investitionsvolumen unverändert niedrig geblieben sein, so Pfundner. Endgültige Zahlen liegen dazu noch nicht vor. Noch drastischer sind die F&E-Ausgaben der Branche hierzulande zurückgegangen: 2011 um drei Prozent auf 4,9 Milliarden Euro.

Für dieses Jahr erwarten die Unternehmen keine Trendwende. Die vfa-Firmen repräsentieren etwa zwei Drittel des bundesweiten Arzneimittelmarktes.

Laut Mitgliederbefragung des Verbandes stehen die Zeichen weder bei den Investitionen in Sachanlagen noch bei den F&E-Ausgaben oder gar der Beschäftigung auf Zuwachs. 39 Prozent der Firmen planen vielmehr Personalabbau.

Die Umsatzentwicklung wird den Erwartungen zufolge weiterhin von Nachfrage aus dem Ausland bestimmt. Zwar rechnen 64 Prozent der Unternehmen mit Stagnation und nur ein Drittel mit leichten Zuwächsen.

Das aber auf vergleichsweise hoher Ausgangsbasis. Vor allem Firmen, die in Deutschland auch selbst produzierten, seien besser in der Lage, Einbußen durch den erhöhten GKV-Abschlag zu kompensieren, sagte vfa-Chef Pfundner.

Insgesamt lautet die Prognose auf einen Exportumsatz 2013 von 22,8 Milliarden Euro; das wäre ein Plus von 3,5 Prozent. Darin sind sowohl Geschäfte mit Dritten als auch konzerninterne Lieferungen erfasst.

Für das Inland lautet die vfa-Prognose "Stabilisierung auf niedrigem Niveau": Etwas mehr als die Hälfte der Firmen geht von leichtem bis mittlerem Mehrumsatz aus, ein Drittel rechnet mit Rückgang. Am Jahresende dürften sich die Erlöse im Heimatmarkt demzufolge auf 17,5 Milliarden Euro belaufen (plus 2,5 Prozent). (cw)

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