Ärzte Zeitung, 19.09.2014

Bayer

Fokus auf Life-Science

Der Bayer-Konzern spaltet sich auf. Bis 2016 soll die Kunststoff-Sparte ("MaterialScience") als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen.

LEVERKUSEN. Jahrelang beschworen die Vorstandschefs des Pharma- und Chemieriesen Bayer dessen diversifizierte Aufstellung. "Konjunkturrobust" hieß die Devise.

Nun läutet man in Leverkusen den Strategiewechsel ein: Die Konzernsparte MaterialScience, das Geschäft mit Polymeren, soll in den kommenden 12 bis 18 Monaten als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht werden.

Unter dem Bayer-Kreuz firmieren danach nur noch das Pharmageschäft sowie die Agrochemie. "Damit positioniert sich Bayer als global führendes Unternehmen für die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze", teilte der Konzern am Donnerstag mit.

Mit der neuen Gesellschaft entstehe das "viertgrößte Chemieunternehmen in Europa", heißt es weiter. Sie solle "eine eigene Identität bekommen" und ihren Hauptsitz in Leverkusen haben. 2013 setzte die Sparte MaterialScience mit weltweit rund 16.800 Mitarbeitern, davon 6500 allein in Deutschland, rund elf Milliarden Euro um.

Zum Vergleich: Bayers Gesundheits- und Agro-Geschäfte erwirtschafteten 2013 rund 29 Milliarden Euro und steuerten rund 88 Prozent zum Konzern-Betriebsgewinn (EBITDA) bei.

Besserer Kapitalzugang

Begründet wird die Abspaltung vor allem mit besseren Finanzierungsmöglichkeiten. Als eigenständige Aktiengesellschaft könne sich MaterialScience Kapital für weiteres Wachstum an der Börse beschaffen.

Innerhalb des Konzerns seien Geldflüsse in die Kunststoff-Sparte "künftig nicht mehr in ausreichendem Maße gewährleistet". Der Investitionsbedarf der Life-Science-Geschäfte sei bereits erheblich.

Die Arbeitnehmervertreter im Bayer-Aufsichtsrat kritisieren den bevorstehenden Konzernumbau als "Abkehr von der Drei-Säulen-Strategie". Die Zustimmung dazu "ist uns äußerst schwer gefallen", heißt es in einer eigenen Mitteilung der Betriebsräte.

Allerdings konnte im Zuge der Verhandlungen ein bestehender Beschäftigungspakt um fünf Jahre bis Ende 2020 verlängert werden. So soll unter anderem der Personalbestand in Deutschland stabil bleiben. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2020 ausgeschlossen. Das gelte auch für die neu entstehende Gesellschaft. (cw)

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