Ärzte Zeitung online, 05.10.2016

Berichte

Sofosbuvir-Patent nicht ernsthaft in Gefahr

Streit um Sofosbuvir: Die Organisation „Ärzte der Welt“ meldet, Gilead müsse „Anpassungen“ an seinem Patent vornehmen. Die aber seien alles andere als kriegsentscheidend, winkt der Hersteller ab.

Mehr Geburten, weniger Kaiserschnitte

Das Europäische Patentamt hat über Sofosbuvir geurteilt.

© Alexey Klementiev / photos.com

MÜNCHEN. Nach Angaben der Organisation „Ärzte der Welt“ hat das Europäische Patentamt (EPA) am Mittwoch einem Einspruch gegen Gileads Patent auf den HCV-Wirkstoff Sofosbuvir „teilweise stattgegeben“. Wie die Ärzteorganisation, die das Patent wegen der hohen Marktpreise für Sofosbuvir angegriffen hatte, schreibt, muss „der Patentinhaber Anpassungen vornehmen, die zu einer Veränderung des Patents führen werden“.

Das EPA habe entschieden, dass der Patentantrag zu weit gefasst gewesen sei. Bei „Ärzte der Welt“ war bisher niemand für Nachfragen zu erreichen. Die Organisation äußerte lediglich vage die Vermutung, Sofosbuvir sei jetzt „technisch gesehen eventuell nicht mehr von einem Patent geschützt.“

Dagegen erklärte eine Gilead-Sprecherin auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“, das EPA habe eine „für uns sehr positive Entscheidung getroffen“. Man werde deshalb auch nicht in Revision gehen.

Konsequenzen für den Sofosbuvir-Vertrieb gebe es keine, die Marktexklusivität, die durch mehrere Patente sowie die Erstzulassung abgesichert sei, ende in Europa erst 2024. Lediglich in Details, die sich auf wissenschaftliche Referenzen beziehen, anhand derer die Neuartigkeit des Moleküls dargelegt wurde, müsse die Patentschrift nachgebessert werden.

An der Frankfurter Börse konnte die Gilead-Aktie am Mittwochnachmittag leicht zulegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gilead sein Sofosbuvir-Patent verteidigen muss. Zuletzt setzte sich das kalifornische Biotechunternehmen erfolgreich gegen eine Klage des Wettbewerbers Merck & Co. (in Europa: MSD) zur Wehr. Und erst kürzlich reichte die Universität von Minnesota eine Patentverletzungsklage gegen Gilead ein. (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »