Ärzte Zeitung online, 15.12.2016
 

Geld für Gesundheit

Autohersteller belohnt Anwesenheit

Mehr Lohn bei wenig Krankheit: Bei der Nobelmarke Mercedes erhalten Mitarbeiter jetzt Geld für Anwesenheit. Der Betriebsrat knirschte mit den Zähnen und auch Gesundheitsexperten sind skeptisch – der richtige Weg?

Autohersteller belohnt Anwesenheit

Ein Autobauer bezahlt künftig einen Bonus für Anwesenheit. Im Bild: Mitarbeiter am Fließband bei Mercedes in Sindelfingen.

© Bernd Weißbrod/ dpa

STUTTGART. Der Autobauer Daimler zahlt Mitarbeitern nach einer neuen Betriebsvereinigung einen Bonus, wenn sie selten krank sind. Nach Angaben vom Mittwoch einigten sich Daimler und der Betriebsrat auf einen Anwesenheitsbonus von maximal 200 Euro brutto pro Jahr.

Den vollen Bonus erhalten Mitarbeiter, die innerhalb eines Jahres keinen Tag arbeitsunfähig waren. Er verteilt sich demnach auf maximal 50 Euro pro Quartal. In der Industrie ist das noch Neuland und bei Gesundheitsexperten zudem nicht unumstritten.

Der Bonus ist Teil einer größeren Vereinbarung zum Thema Mitarbeiter-Gesundheit. Hinzu kommt ein freiwilliger und kostenloser Gesundheitscheck für alle Mitarbeiter, der etwa der Früherkennung von gesundheitlichen Risiken dienen soll.

Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht sagte: "In der Abwägung der Interessen, haben wir uns letztlich entschieden, für die Einführung des Gesundheitschecks den Anwesenheitsbonus befristet in Kauf zu nehmen. Wir konnten erreichen, dass er nach zwei Jahren automatisch ausläuft, der Gesundheitscheck aber bleibt."

Brecht fügte hinzu: "Wir gehen auch davon aus, dass die Summen, um die es dabei geht, niemanden veranlassen, sich krank ins Geschäft zu schleppen." (dpa)

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[15.12.2016, 15:44:30]
Berthold Neu 
Fatale Folgen des Präsentismus ...
"...sehen Arbeitsforscher der BAuA in nachlassender Leistungsfähigkeit und einer abnehmenden Produktivität. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die
Kosten von Präsentismus mindestens so hoch seien, wie die Kosten von krankheitsbedingtem Fehlen. Dies bestätigt eine 2011 veröffentlichte Studie der Beratungsfirma Booz & Company: Präsentismus komme die deutschen
Unternehmen fast doppelt so teuer zu stehen wie die reinen Fehlzeiten kranker Mitarbeiter, die zu Hause bleiben.
Die Untersuchung geht davon aus, dass kranke Beschäftigte am Arbeitsplatz nicht nur weniger leisten, sondern auch mehr Fehler machen und sogar häufiger Opfer eines Unfalls werden. Präsentismus begünstige zudem chronische Krankheiten. So summierten sich pro Jahr die Kosten für die reinen Fehlzeiten von Erkrankten auf 1197 Euro pro Mitarbeiter. Die versteckten Kosten des Präsentismus dagegen lägen bei 2394 Euro. Andere Studien bestätigen, dass die entstehenden Kosten einen sehr großen und zumeist auch den größten Anteil an den gesamten Ausgaben für Gesundheit ausmachen."
Quelle: http://www.fr-online.de/karriere/krank-ins-buero---das-schadet-auch-dem-arbeitgeber-sote,1473056,33573640,view,printVersion.html zum Beitrag »

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