Ärzte Zeitung online, 20.03.2017
 

Dividendenaktien

Wer giert, verliert

Bei der Entscheidung für dividendenstarke Aktien kommt es nicht allein auf die Rendite an: Ausschüttung und Unternehmensgewinn müssen im Einklang stehen, um die Fähigkeit, in künftiges Wachstum zu investieren, nicht aufs Spiel zu setzen.

Von Richard Haimann

NEU-ISENBURG. Aktien mit hohen Dividendenrenditen sind bei Privatanlegern und Profiinvestoren heiß begehrt; ihre Kurse sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Kein Wunder: Weil die Europäische Zentralbank Monat für Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von bis zu 80 Milliarden Euro aufkauft, sind die Zinserträge dieser Schuldpapiere dramatisch zusammengeschrumpft. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen beispielsweise werfen gerade einmal eine Rendite von 0,48 Prozent ab. Hingegen betragen die Ausschüttungserträge dividendenstarker Aktien zum Teil mehr als vier Prozent.

Doch die aktuelle Ausschüttungsrendite sollte nicht das einzige Auswahlkriterium sein, wenn sich Anleger für eine Aktie entscheiden, sagt Moritz Westerheide, Analyst der Bremer Landesbank. "Eine hohe Dividendenrendite kann auch daraus resultieren, dass der Kurs einer Aktie deutlich gesunken ist, weil Investoren ihr den Rücken kehren, da die Unternehmensgewinne einbrechen." Das war beispielsweise bei den Energieversorgern E.ON und RWE der Fall, nachdem die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomkraft und die Hinwendung zur regenerativen Stromerzeugung aus Solar- und Windkraft beschlossen hatte.

Nachhaltigkeit ist entscheidend

Zunächst konnten die beiden Stromkonzerne nach der Berliner Entscheidung zwar noch hohe Dividenden ausschütten. Bald aber waren sie gezwungen, massiv in erneuerbare Energien zu investieren und Rückstellungen für den Abbau ihrer Kernkraftwerke und die Entsorgung des radioaktiven Mülls zu bilden. Als Folge brachen die Gewinne der Unternehmen ein und die Dividenden wurden zusammengestrichen. Die Aktienkurse beider Konzerne waren schon zuvor um mehr als 80 Prozent in den Keller gerauscht, weil Profiinvestoren sich von den Papieren längst verabschiedet hatten.

Doch auch wenn keine Gefahr für das Geschäftsmodell eines Unternehmens droht, sollten Anleger darauf achten, dass die Dividendenrenditen nachhaltig sind. Denn manche Vorstände übertreiben es bei der Ausschüttung, um den Aktienkurs hoch zu halten. "Einige Unternehmen erhöhen sogar die Dividende, obwohl der Gewinn sinkt", sagt Westerheide. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Münchner Rück. Wegen höherer Belastung durch Erdbeben und Hurrikanschäden schrumpfte das operative Ergebnis des Rückversicherers 2016 um 16,7 Prozent von 4,8 Milliarden Euro auf nur noch 4 Milliarden Euro. Dennoch will der Konzern die Dividende um 4,2 Prozent von 8,25 Euro pro Aktie auf 8,60 Euro anheben.

"Häufig besteht auch ein gieriger Großaktionär auf hohen Ausschüttungen", weiß Hubert Thaler, Vorstand der Anlageberatungsgesellschaft Top Vermögen in Starnberg. Bei der Deutsche Telekom ist dies die Bundesregierung, die 32 Prozent der Anteile am Unternehmen hält. "Seit die Telekom an die Börse gebracht wurde, haben alle Finanzminister die Dividende fest in den Bundeshaushalt eingeplant", sagt Thaler. Doch übertriebene Ausschüttungen zehren an der Substanz der Konzerne. Ihnen fehlt dann das Kapital, um weiteres Wachstum zu generieren. "Eine Ausschüttungsquote von nur 30 bis 50 Prozent der Gewinne ist deshalb ein positiver Indikator", so Thaler.

Blick auf Dividenden-Aristokraten

Langfristig orientierte Anleger fahren am besten mit Aktien sogenannter Dividenden-Aristokraten, meint der US-Investmentguru Peter Lynch. "Diese Unternehmen haben über mindestens 25 Jahre hinweg kontinuierlich ihre Dividenden gesteigert." Dadurch haben sich ihre Aktienkurse langfristig besser entwickelt als Börsenindizes wie Dax, Dow Jones oder S&P 500. Aktuell umfasst die Adels-Liste weltweit nur 70 Unternehmen. Die meisten stammen aus den USA, etwa AT&T, Colgate-Palmolive, Johnson & Johnson, McDonald‘s und VF Corporation. In Europa zählen dazu die Schweizer Konzerne Nestlé und Roche sowie die britische Capita Group. Über börsennotierte Indexfonds wie den SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS können Anleger an der Kursentwicklung und den Dividendenausschüttungen dieser Konzerne partizipieren.

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