Ärzte Zeitung online, 20.11.2017
 

Börse

Sportartikel-Produzenten versprechen Anlegern einen guten Lauf

Weltweit können sich immer mehr Menschen leisten, Freizeitsport zu treiben – das beflügelt die Gewinne und Aktienkurse von Branchenunternehmen wie Adidas oder Puma. Insbesondere Schwellenländer holen auf.

Von Richard Haimann

Sportartikel versprechen Anlegern einen guten Lauf

Laufschuhe und andere Sportartikel sind in Indien und China im Kommen.

© Joe Brandt / Getty Images / iStock

NEU-ISENBURG. Beim Umsatz zwölf Prozent mehr, beim Gewinn ein Zuwachs von 35 Prozent auf 549 Millionen Euro: "Wir haben erneut starke Ergebnisse erzielt", präsentierte Kasper Rorsted, Adidas-Vorstandsvorsitzender, den Aktionären des Herzogenauracher Sportartikel-Konzerns jetzt für das dritte Quartals einmal mehr gute Zahlen.

Für viele Börsianer kam das wenig überraschend: Seit Jahren steigt die Adidas-Aktie kontinuierlich. 37,4 Prozent betrug der Kursanstieg allein in den vergangenen zwölf Monaten.

Der deutsche Leitindex Dax hingegen gewann in dieser Zeit nur 23,5 Prozent. Noch kräftiger konnte im selben Zeitraum mit 67,5 Prozent die Aktie des Erz-Konkurrenten Puma zulegen. Auch bei ihr gingen die Erwartungen der Aktionäre auf.

Die 1948 von Rudolf Dassler, dem Bruder des Adidas-Schöpfers Adolf Dassler, gegründete Gesellschaft verdoppelte in den ersten neun Monaten dieses Jahres ihr Konzernergebnis nahezu auf 134 Millionen Euro von 67 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Vorstandschef Björn Gulden hob den Ausblick für das Gesamtjahr an: "Wir erwarten für 2017 nun ein operatives Ergebnis zwischen 235 und 245 Millionen Euro."

Wachstumstreiber Mittelschicht

28 Mrd. $ Umsatz haben Sportartikel- Hersteller 2016 in China erwirtschaftet. Damit ist China der weltweit zweitgrößte Markt für dieses Segment – hinter den USA mit 104 Milliarden Dollar.

Auch die Börsennotierungen anderer Sportartikel-Produzenten ziehen kontinuierlich an. Beispielsweise gewann das Papier des US-Marktgiganten Nike allein im vergangenen Monat 8,8 Prozent und legte in den vergangenen fünf Jahren um etwa 143 Prozent zu.

Die Aktie des US-Outdoor-, Ski- und Kletterequipment-Spezialisten Black Diamond verbesserte sich allein in den vergangenen drei Monaten um 26 Prozent.

Was Umsätze und Gewinne der Sportausrüster wachsen und ihre Aktienkurse steigen lässt, ist vor allem die rapide wachsende Mittelschicht in den aufstrebenden Nationen Asiens und Lateinamerikas. Während in Europa die Bevölkerung altert und schrumpft, sind in Ländern wie Brasilien, Chile und Indien immer mehr Menschen in Bürojobs beschäftigt.

Damit verdienen sie genug Geld, um in ihrer Freizeit Sport als Ausgleich zu ihrer sitzenden Schreibtischtätigkeit zu treiben. Nach einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs gehören inzwischen 156 Millionen Inder der Mittelschicht an.

Gemessen an der Gesamtbevölkerung von 1,34 Milliarden Einwohnern sei der Anteil der neuen Einkommenselite zwar noch klein, sagt Surinder Jodhka, Professor für Soziologie an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Dehli. "Doch ihre Zahl übersteigt bereits heute die Gesamtbevölkerung in vielen entwickelten westlichen Ländern." Deutschland beispielsweise zählt insgesamt nur 82,17 Millionen Einwohner.

Besonders stark wächst der Absatz der Sportartikelhersteller in China. Nach einer Studie der Londoner Marktforschungsgesellschaft Euromonitor ist das Reich der Mitte mit 28,4 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2016 bereits der zweitgrößte Markt für die Sportartikelbranche nach den USA mit 103,6 Milliarden Dollar.

"China fördert den Spitzensport aus Prestigegründen bereits sehr lange", sagt Hubert Thaler, Vorstand der Starnberger Anlageberatungsgesellschaft Top Vermögen. Das sorgt dafür, dass nun bereits rund 200 Millionen der mehr als 1,37 Milliarden Einwohner in ihrer Freizeit die Jogging- und Fußballschuhe schnüren.

Analysten zuversichtlich

Analysten sind angesichts dieser Zahlen zuversichtlich, dass die Gewinne und Aktienkurse vieler Sportartikelproduzenten weiter steigen. Das Adidas-Papier haben seit August sieben Researcher mit "Kaufen" eingestuft, ein Analyst mit "Halten" – und kein einziger mit "Verkaufen". Für die Nike-Aktie liegen sogar ausschließlich Kaufempfehlungen vor.

Allerdings gibt es bislang keinen Fonds, mit dem Anleger breit gestreut in Aktien von Sportartikelproduzenten investieren können. "Trotz des Booms gibt es bislang nur einige Indexzertifikate mit endloser Laufzeit", berichtet Thaler. Am besten abgeschnitten hat dabei bislang das Papier der Commerzbank mit der WKN CZ35ND. Dessen Kurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um 16 Prozent gestiegen.

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