Ärzte Zeitung online, 29.01.2019

BfArM

Reges Interesse an Cannabis-Ausschreibung

Für die auf vier Jahre ausgeschriebenen 10,4 Tonnen Cannabis aus deutscher Herstellung liegen 817 Angebote vor. 2020 könnte es losgehen.

TEL AVIV/BONN. Rund 35.000 Patienten in Israel lassen sich mit medizinischem Cannabis behandeln. Nun will das Land Cannabis zu medizinischen Zwecken auch exportieren. Das hat die Regierung am Sonntag beschlossen. Laut Gesundheitsministerium sollen die Hersteller in spätestens neun Monaten die Freigabe zum Export erhalten.

Derzeit produzieren im Inland nach Ministeriumsangaben 70 Firmen jährlich rund 18 Tonnen medizinisches Cannabis. In Sachen Cannabis-Forschung hätten diese Unternehmen aktuell 200 klinische Studien aufgesetzt. Durch den Cannabis-Export erhofft sich Israels Regierung Medienberichten zufolge zusätzliche Steuereinnahmen von umgerechnet 239 Millionen Euro.

817 Angebote abgegeben

Unterdessen hat die deutsche Zulassungsbehörde BfArM eine erste Bilanz ihrer im Juli vorigen Jahres erneut gestarteten Ausschreibung zum medizinischen Cannabisanbau in Deutschland veröffentlicht. Danach haben 79 Bieter oder Bietergemeinschaften 817 Angebote für die ausgeschriebenen 13 Lose (à 200 Kilogramm Cannabis Jahresmenge für insgesamt vier Jahre) abgegeben.

Die Angebote würden nun ausgewertet. Ein Bieter kann laut BfArM Zuschläge für maximal fünf Lose erhalten. Die Zuschläge sollen im Laufe des 2. Quartals erteilt werden. Zuvor allerdings muss das Oberlandesgericht Düsseldorf noch über eine Klage gegen das Ausschreibungsverfahren befinden. Die Entscheidung der zuständigen Vergabekammer sei für den 10. April anberaumt, heißt es in der BfArM-Mitteilung.

Cannabis aus inländischem Anbau könne es in Deutschland voraussichtlich ab 2020 geben, so die Oberbehörde. Bis dahin werde der Bedarf aus Importen gedeckt, die aber auch über 2020 hinaus rechtlich möglich blieben. Einer der größten deutschen Verarbeitungsbetriebe für medizinisches Cannabis, das Kölner Unternehmen Cannamedical, ist momentan noch von Lieferungen aus Kanada und Holland abhängig. (dpa/cw)

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