Ärzte Zeitung online, 29.08.2019

Opioid-Krise/Unternehmen in der Kritik

Purdue soll gemeinnützig werden

Zehn bis zwölf Milliarden Dollar sollen der Oxycontin®-Hersteller Purdue und die Eigentümerfamilie Sackler aufbringen, um Schadenersatzklagen beizulegen. Mundipharma könnte verkauft werden.

Purdue soll gemeinnützig werden

Oxycontin-Pillen und -Behälter: Hersteller Purdue verhandelt wohl mit den Behörden wegen einer Sammelklage.

© Toby Talbot / AP Photo / picture alliance

NEW YORK. Purdue Pharma und die Eigentümerfamilie Sackler verhandeln offenbar mit US-Behörden über einen milliardenschweren Vergleich, um eine 2000 Fälle umfassende Sammelklage öffentlicher Einrichtungen und Kostenträger zur Vermarktung des Schmerzmittels Oxycontin® (Oxycodon) beizulegen. Das berichten übereinstimmend US-Medien, darunter „NBC News“, „New York Times“ und „Wallstreet Journal“.

Purdue wird beschuldigt, einer der Hauptverursacher der sogenannten Opioid-Krise in den USA zu sein. Bei der Bewerbung seines Morphinpräparates sollen dessen Suchtrisiken verschwiegen oder verharmlost worden sein. Ähnlich lautende Klagen sind gegen rund zwei Dutzend weitere Pharmaunternehmen in den USA anhängig. Erst zu Wochenbeginn war Johnson & Johnson (Janssen Pharmaceuticals) in Oklahoma zu 572 Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt worden.

Die Vergleichsverhandlungen sehen den Berichten zufolge vor, dass die Sackler-Familie drei Milliarden Dollar aus eigenem Vermögen zahlt. Zusätzliche Entschädigungsgelder soll das Unternehmen beisteuern. Zu diesem Zweck sei geplant, Purdue in die Insolvenz zu schicken und als öffentliche Stiftung wieder aufleben zu lassen. Außerdem soll die in Europa aktive Konzerntochter Mundipharma verkauft werden.

Insgesamt könnten so zehn bis 12 Milliarden Dollar zusammenkommen. Darüber hinaus sei vorgesehen, dass Purdue künftig seine – derzeit noch in Entwicklung befindlichen – Medikamente zur Suchtbehandlung kostenlos abgibt.

Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, heißt es, und könnten auch noch scheitern. Allerdings hatte unlängst die Rechtsanwältin der Sackler-Familie schon wissen lassen, man halte die Vorwürfe in Sachen Opioid-Krise zwar für „rechtlich dubios“ und „politisch motiviert“. Die Familie wolle aber keineswegs „bis zum bitteren Ende prozessieren“ sondern sei an einer umfassenden Streitbeilegung interessiert. Kurz zuvor hatte Purdue einen ersten Vergleich über 270 Millionen Dollar mit dem Bundesstaat Oklahoma geschlossen.

Die deutsche Mundipharma wollte zu dem Vorgang zunächst nicht näher Stellung nehmen. Man verfolge die Berichterstattung in den USA, ließ das Unternehmen auf seiner Website wissen, könne „die Entwicklung bei Purdue jedoch nicht kommentieren, weil wir über keinerlei Kenntnisse zu den Vorgängen verfügen“. Purdue und Mundipharma seien unabhängige rechtliche Einheiten. „Sie verfügen über getrennte Aufsichtsorgane, eine separate Führungsebene und unterschiedliche Portfolio-Strategien.“

Nach Zahlen, die unter anderem das gesundheitspolitische US-Magazin „Stat“ nennt, sind in den USA seit der Jahrtausendwende über 400.000 Menschen infolge überdosierten Schmerzmittelgebrauchs gestorben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, allein 2017 seien rund 47.000 Amerikaner einer Opioid-Überdosierung zum Opfer gefallen. (cw)

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