Ärzte Zeitung, 29.07.2015

Saarland

Fortbildungspflicht bei Leichenschau geplant

Das saarländische Gesundheitsministerium zweifelt die Qualität der ärztlichen Leichenschau an. Und will den Medizinern deshalb eine neue Fortbildungspflicht auferlegen. Gleichzeitig soll eine Studie weiteren Aufschluss über die vermuteten Mängel geben.

Von Andreas Kindel

Fortbildungspflicht bei Leichenschau geplant

Auszug aus einem Totenschein: Eine Studie soll im Saarland nun - anhand der Auswertung von rund 12 000 Dokumenten - aufdecken, wie hoch der Anteil unsicherer Todesursachen ist.

© Dr. E. Eberhardt / Arteria Photography

SAARBRÜCKEN. Auf die Ärzte im Saarland kommen weitere Fortbildungspflichten zu: Das Gesundheitsministerium in Saarbrücken will die Mediziner schon bald verpflichten, regelmäßig Schulungen zum Thema Leichenschau zu besuchen.

Der saarländische Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) kündigte am vergangenen Freitag in Saarbrücken an, die neue Fortbildungspflicht schon im Herbst gesetzlich zu verankern - im Rahmen einer Novelle des saarländischen Bestattungsrechts.

Der Umfang der neuen Fortbildungspflicht ist noch offen. "Wir sind in der Diskussion mit der Ärztekammer", erläuterte Kolling. "Wichtig ist uns aber, dass es eine regelmäßige Schulung wird."

Damit den Ärzten auch Fortbildungsangebote zur Verfügung stehen, hat das Gesundheitsministerium nicht nur mit der Kammer, sondern auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung bereits Gespräche geführt. "Die Leichenschau wurde als Thema in das Fortbildungsprogramm mit aufgenommen", sagte Kolling.

Jeder 20. Totenschein fehlerhaft?

Zur Begründung verwies der Staatssekretär auf die bestehenden Mängel bei der ärztlichen Leichenschau. "Es bedarf bundesweit und auch im Saarland einer dringenden qualitativen Verbesserung", erklärte Kolling. Studien zufolge sei jede 20. ausgestellte Todesbescheinigung fehlerhaft.

Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Mainz, Professor Dr. Reinhard Urban, verwies bei einem Pressegespräch in Saarbrücken darauf, dass die angehenden Ärzte in ihrer Ausbildung im dritten klinischen Semester lernen, wie eine gute Leichenschau auszusehen hat. "Das Problem ist, dass die Ärzte dann meist nie wieder etwas davon hören, bis es sie irgendwann trifft."

Um zu erfahren, wie es um die Leichenschau im Saarland tatsächlich bestellt ist, starten das saarländische Gesundheitsministerium, das Mainzer Uni-Institut für Rechtsmedizin und das rechtsmedizinische Institut des Klinikums Saarbrücken jetzt eine Studie (wir berichteten kurz).

Dazu sollen die rund 12.000 Todesbescheinigungen eines Jahres im Saarland ausgewertet werden. "Von besonderem Interesse ist, wie hoch der Anteil vermuteter beziehungsweise unsicherer Todesursachen ist und welche Personengruppen hiervon betroffen sind", erläuterte die Leiterin des rechtsmedizinischen Instituts am Klinikum Saarbrücken, Dr. Daniela Bellmann.

Schwarze Schafe nicht im Visier

Als Beispiel für Vermutungen auf dem Totenschein nannte Bellmann, wenn Ärzte als Todesursache nur "Herzinfarkt" angeben ohne Angaben zu Vorerkrankungen oder einen vorbehandelnden Arzt. Allerdings sollen die Todesbescheinigungen jetzt nicht individualisiert ausgewertet werden, um etwa unter den Ärzten die "schwarzen Schafe" zu ermitteln.

Es ist jedoch eine Auswertung nach Arztgruppen vorgesehen, um zum Beispiel zu sehen, ob sich die Qualität der Todesbescheinigungen von Klinik-, Haus- und Fachärzten oder Ärzten, die im Auftrag der Polizei unterwegs sind, unterscheidet.

Dass die Ärzte an der Saar die ungeliebten Leichenschauen komplett loswerden, ist eher unwahrscheinlich. Zwar räumt auch Staatssekretär Kolling ein, dass die Bestellung eines professionellen Leichenbeschauers - eines sogenannten "Coroners" - mehr Qualität in die Leichenschau bringen könnte.

So etwas hält der CDU-Politiker aber nur bundesweit für sinnvoll. "Landesspezifische Lösungen machen da keinen Sinn."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kommentar zu Mängeln bei der Leichenschau: Fortbildung hilft hier wenig

[29.07.2015, 19:08:29]
Dr. Henning Fischer 
an Herrn Döring: wie gering die Politik uns Ärzte schätzt

sieht man sehr deutlich daran, daß dieses Honorar seit fast 20 Jahren nicht angehoben wurde

und

die Politik eine vorgezogene Änderung des Leichenschau-Honorars vor der GOÄ-Reform ablehnt.

Bei allen Krokodilstränen der Politik über schwindende Hausarztzahlen: man schätzt uns Ärzte einfach nicht, und das merkt der Nachwuchs so langsam.

 zum Beitrag »
[29.07.2015, 15:16:27]
Dieter Döring 
Leichenschau
Vergütung (34 Euro), die man hinterherlaufen muss und oft nicht bekommt, steht in keinem Verhältnis zur Arbeit und Verantwortung.
 zum Beitrag »
[29.07.2015, 08:16:15]
Dr. Henning Fischer 
Feststellung des Todes vom Arzt vor Ort

- bei Auffälligkeiten Polizei rufen

sonst

- Leichenschau beim Bestatter durch Amtsarzt

Fertig.

Aber:

Dann käme man ja nicht mit ein paar Kröten Honorar aus, mit denen wir jetzt abgespeist werden (Zwang zur Leistungserbringung weit unter den üblichen Sätzen)

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