Ärzte Zeitung, 30.04.2013

PKV öffnet sich

Befristete Offerte für Angestellte mit Vorerkrankung

Vier große private Krankenversicherer bieten Angestellten mit Vorerkrankungen die Aufnahme an - allerdings dürfen nicht mehr als sechs Monate nach erstmaligem Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze vergangen sein.

Befristete Offerte für Angestellte mit Vorerkrankung

Die PKV legt den Schalter um - mit einer befristeten Öffnungsaktion.

© cruffpics / fotolia.com

KÖLN. Mit einer befristeten Öffnungsaktion wollen private Krankenversicherer (PKV) den Makel der Rosinenpickerei loswerden.

Sie bieten Angestellten mit Vorerkrankungen bis zu sechs Monate nach dem erstmaligen Erreichen der Versicherungspflichtgrenze die Aufnahme in die PKV an.

Den Auftakt hatte Ende vergangenen Jahres die Debeka gemacht. Ihr sind inzwischen die Signal Iduna und ganz aktuell die HUK-Coburg gefolgt. Auch die Barmenia plant einen solchen Schritt.

Diese vier Unternehmen gehören zu den größten zehn der Branche und sind als Versicherungsvereine organisiert, die ihren Mitgliedern gehören und keine Aktionäre haben.

Die Tatsache, dass die PKV-Anbieter anders als die gesetzlichen Krankenkassen mit Gesundheitsprüfungen, Risikozuschlägen und Ausschlüssen arbeiten, gehört zu den Punkten, die der Branche immer wieder Kritik von Verbraucherschützern und Politikern eingebracht haben.

Risikozuschläge auf 30 Prozent begrenzt

Zumindest an dieser Stelle wollen einige Unternehmen jetzt die Angriffsflächen beseitigen.

Das erfolgt nicht zufällig im Vorfeld des bevorstehenden Wahlkampfs, in dem SPD, Grüne und Linke sich für die Einführung einer Bürgerversicherung starkmachen - die das Ende der PKV in ihrer jetzigen Form bedeuten würde.

Bei der Öffnungsaktion garantieren die Krankenversicherer den Angestellten sowie ihren Familienangehörigen, dass sie unabhängig von ihrem Gesundheitsstatus eine Vollversicherung abschließen können.

Eventuelle Risikozuschläge sind auf 30 Prozent begrenzt. Das Angebot gilt nur, wenn der Wechsel von der gesetzlichen Krankenkasse zu dem Privatversicherer innerhalb von sechs Monaten erfolgt, nachdem der Angestellte die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat. Sie liegt zurzeit bei 4350 Euro im Monat.

Der Vorstoß der Debeka sei bei der Politik gut angekommen, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Debeka Uwe Laue. "Ich hoffe, dass wir jetzt schnell Erfahrungen mit der Öffnung sammeln und sie dann auch auf Selbstständige ausweiten können." (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »