Ärzte Zeitung, 18.01.2017
 

PKV-Verbandschef Laue

Das sind unsere zwei großen Baustellen

Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" legt PKV-Verbandschef Uwe Laue dar, welche Themen der Privatassekuranz am meisten unter den Nägeln brennen.

Von Ilse Schlingensiepen und Herbert Fromme

Das sind unsere 2 großen Baustellen

"Wir müssen die GÖÄ jetzt wirklich auf den Weg bringen", so Uwe Laue, Vorsitzender des PKV-Verbands.

© Thomas Frey / dpa/lrs

KÖLN. Die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) steht für die privaten Krankenversicherer (PKV) nach wie vor ganz oben auf der Agenda. Sie gehört zu den Themen, mit denen der PKV-Verband sich nach der nächsten Bundestagswahl möglichst schnell an die neue Regierung wenden will. "Wir müssen die GOÄ jetzt wirklich auf den Weg bringen", sagte der Vorsitzende des PKV-Verbands Uwe Laue im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Laue ist optimistisch, dass der PKV-Verband und die Bundesärztekammer auf dem nächsten Deutschen Ärztetag im Mai einen abgestimmten Vorschlag präsentieren können, der die Zustimmung einer Mehrheit der Ärzte findet. "Die Zusammenarbeit zwischen der PKV und der Bundesärztekammer funktioniert auf der Arbeitsebene hervorragend."

Mit der Schaffung eines neuen Rechtsrahmens und der Legendierung von rund 5000 Ziffern werde man einen Riesenschritt nach vorne machen, hofft er. Viele Probleme, die es mit der aktuellen GOÄ gibt, könnten damit ausgeräumt werden. "Das Ziel ist es, ein dynamisches System zu entwickeln, das den medizinischen Fortschritt eins zu eins abbildet", sagt er.

Bis Mai Basis für Gesetzesvorschlag

Im Mai werden vielleicht noch nicht 99,9 Prozent der dafür notwendigen Arbeiten erledigt sein, die Basis für einen Gesetzesvorschlag werde aber geschaffen sein. "Mit ihm können wir zu dem neuen Gesundheitsminister oder der neuen Gesundheitsministerin gehen – welcher Partei er oder sie auch immer angehört", ist Laue überzeugt.

Die Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes ist ein weiteres Thema, mit dem sich die Branche sofort an die nächste Bundesregierung wenden will. Sie ist notwendig, um die Mechanismen für Beitragsanpassungen in der PKV zu ändern.

Zurzeit können die Versicherer die Beiträge nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen anpassen, etwa wenn die Leistungsausgaben um fünf oder zehn Prozent steigen. "Ist dann eine Anpassung möglich, müssen die Unternehmen gleichzeitig alle nicht durchgeführten Erhöhungen nachholen und gegebenenfalls zusätzliche kalkulatorische Faktoren wie die geänderte Sterbewahrscheinlichkeit berücksichtigen", erläutert er. Da spielen dann auch die Auswirkungen des gesunkenen Zinsniveaus eine Rolle. Alles in allem können so leicht Erhöhungen von 15, 20 oder 25 Prozent zusammenkommen.

Flexible Prämienanpassung gefordert

Abhilfe schaffen kann die Branche nur mit Hilfe der Politik. "Wir müssen erreichen, dass die Zinsen bei der Ermittlung der auslösenden Faktoren einbezogen werden, damit Beitragsanpassungen auch in kleinerem Maß durchgeführt werden können", betont Laue, der im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des Marktführers Debeka ist.

Nach einer Schätzung von Oktober 2016 betragen die Prämienerhöhungen in der Vollversicherung branchenweit rund elf Prozent. Einen abschließenden Wert gibt es noch nicht.

Handlungsbedarf sieht er auch beim Thema Digitalisierung. Die PKV werde im E-Health-Gesetz zwar nicht in die Pflicht genommen, sie müsse aber bei dem Thema auf Augenhöhe mit den gesetzlichen Kassen unterwegs sein. "Wir brauchen keine elektronische Gesundheitskarte, aber wir brauchen ein Medium, auf dem für die Versicherten mindestens dieselben Daten vorgehalten werden, die das E-Health-Gesetz der GKV vorschreibt." Für weniger werden die Kunden kein Verständnis haben, schätzt Laue.

Er räumt ein, dass die Branche bei Fragen wie dem Qualitäts- und dem Case Management der GKV ein bisschen hinterherhinkt. Aufgabe des PKV-Verbands werde es sein, den Mitgliedsunternehmen eine technische Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. "Sie können alle privaten Krankenversicherer nutzen, um den Versicherten zahlreiche elektronische Anwendungen anbieten zu können", erläutert er. Die Infrastruktur solle nur die technische Datenautobahn liefern. "Jeder Versicherer muss für sich selbst entscheiden, wie und auf welche Art und Weise er auf der Datenautobahn unterwegs ist."

Laue rechnet damit, dass die Digitalisierung Kooperationen zwischen den PKV-Anbietern fördern werden. Das gilt auch für Vereinbarungen mit Ärzten, Kliniken oder anderen Leistungserbringern. Mit dem Unternehmen LM+ gibt es bereits einen entsprechenden Zusammenschluss von vier Gesellschaften. "Ich bin fest davon überzeugt, dass sich weitere solcher Kooperationen zwischen Versicherern bilden werden", sagt Laue.

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