Ärzte Zeitung online, 14.12.2017

Der konkrete Fall

Vorsicht bei Kündigung von Lebensversicherungen

Was tun, wenn der Anbieter der Lebensversicherung verkauft wird? Ruhe bewahren – und den Vertrag nicht voreilig kündigen, raten Experten.

Frage: Die Generali hat angekündigt, ihre Lebensversicherungstochter verkaufen zu wollen. Ich habe meine Altersvorsorge bei der Generali Leben. Was soll ich jetzt mit meinem Vertrag tun?

Antwort: "Eine pauschale Antwort kann es nicht geben", sagt Niels Nauhauser, Lebensversicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aber Verkaufspläne können ein Anlass sein, seine Verträge überprüfen zu lassen. Das kann ein Versicherungsmakler oder ein unabhängiger Versicherungsberater sein, der für seine Dienste ein Honorar nimmt. Meistens haben Betroffene mehrere Möglichkeiten: den Vertrag weiterführen, die Prämie reduzieren, den Vertrag beitragsfrei stellen oder die Kündigung. Verbraucher sollten danach entscheiden, ob die Police etwas abwirft oder nicht.

Der Münchener Versicherungsmakler Oliver Fellmann rät zur Gelassenheit. Verbraucher, die einen Vertrag bei der Generali haben, sollten nichts überstürzen, ist er überzeugt. "Wir wissen im Moment noch gar nicht, was bei dem Verkauf und der Stilllegung überhaupt passiert", sagt er. Alle Geschäfte unterlägen der Kontrolle der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Sie muss einem Verkauf zustimmen. Bedingung für einen Verkauf ist, dass die Versicherungskunden nicht schlechter gestellt werden. "Auch der Aufkäufer muss den Garantiezins zahlen, der im Vertrag vereinbart wurde", sagt Fellmann. Daher wäre es unklug, alte Verträge zu kündigen, in denen noch ein hoher Garantiezins von drei oder vier Prozent festgehalten sind, so der Makler.

Verbraucherschützer Nauhauser steht dem Verkauf von Lebensversicherern grundsätzlich kritisch gegenüber: "Ein Käufer von Altbeständen will Gewinn machen, das Kundenwohl ist bei solchen Geschäften zweitrangig", sagt er. Zwar müsse auch der Abwickler alle Garantien erfüllen. Aber bei den variablen Gewinnen habe der Investor viel Spielraum. "Die Firma, die den Bestand übernimmt, hat in der Regel wenig Anreiz, Überschüsse an den Kunden auszuzahlen." (acg)

Haben Sie Fragen zu Versicherungen? Wir greifen Ihre Frage auf. Melden Sie sich bei uns!

wi@springer.com

Topics
Schlagworte
Versicherungen (1212)
Organisationen
Generali (90)
Personen
Niels Nauhauser (35)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Auch wer danach reichlich Wasser trinkt, profitiert davon. mehr »

In der Praxis oftmals auch knifflige Fälle

Die Regeln, wie und wann ein Arzt einen Patienten krankschreiben darf, sind in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie festgehalten. In der Praxis gibt es jedoch viele knifflige Fälle. mehr »

Handlungsbedarf bei Chronikerpauschale!

Die Chronikerzuschläge für Hausärzte bleiben eine der dringendsten Hausaufgaben für die Selbstverwaltung. Es wird Zeit, die alten bürokratischen Zöpfe abzuschneiden, meint unser Abrechnungsexperte. mehr »