Ärzte Zeitung, 21.02.2011

Wenn Varizellen zuschlagen: von Windpocken bis Gürtelrose

Varizellen

Wenn Varizellen zuschlagen: Windpocken und Gürtelrose

Wenn Varizellen zuschlagen: von Windpocken bis Gürtelrose

Varizellen-Exanthem. Das gleichzeitige Nebeneinander unterschiedlicher Effloreszenzen (synchrone Polymorphie) wird als Heubner- Sternenkarte bezeichnet.

© Prof. Dr. S. W. Wassilew

Wenn Varizellen zuschlagen: von Windpocken bis Gürtelrose

Okulomotorische Parese nach Herpes zoster ophthalmicus.

© Prof. Dr. S. W. Wassilew

Das Varicella-zoster-Virus ist ein humanes Herpesvirus aus der Subgruppe der α-Herpesviren. Es verursacht zwei dermatologische Krankheitsbilder:

  • Varizellen und
  • Herpes zoster.
  • Varizellen

    Eine Varizellen-Infektion tritt meist bei Kindern auf. Der Herpes zoster ist ein endogenes Rezidiv dieser Varizellen-Infektion, er tritt meist im höheren Lebensalter auf, so Dr. Martina Lilie aus Hamburg und Professor Sawko Wassilew aus Krefeld in der CME-Fortbildungseinheit "Erste Hilfe bei Varizellen-Alarm".

    Die Viren werden in der Regel durch Tröpfcheninfektion übertragen. Möglich ist aber auch eine Schmierinfektion durch Kontakt mit virushaltigem Vesikelinhalt. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 14 bis 16 Tage. Die Infektiosität beginnt etwa ein bis zwei Tage vor Auftreten des Exanthems und hält bis zum vollständigen Abfall aller Krusten an.

    Die Prodromalsymptome sind unspezifisch. Das plötzlich auftretende, stark juckende Exanthem breitet sich kraniokaudal aus. Die Hauteffloreszenzen entwickeln sich rasch zu Papeln, Vesikeln und Pusteln. Diese verkrusten und heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen ab. Bei Neugeborenen, Erwachsenen und immunsupprimierten Patienten kann die Erkrankung protrahiert verlaufen.

    Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Normalerweise genügt eine symptomatische Therapie mit Bettruhe, antiseptischen und antipuriginösen Lösungen, Lotionen und Cremes. In schweren Fällen können Kinder bis zum 12. Lebensjahr antiviral mit Aciclovir behandelt werden. Die antivirale Therapie von Erwachsenen und immunsupprimierten Patienten erfolgt mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir.

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2004 unter anderem die zweimalige Varizellen-Schutzimpfung für alle Kinder und Jugendliche.

    Herpes zoster

    Der Herpes zoster ist eine neurodermale Krankheit, die als endogenes Rezidiv der Varizellen definiert ist. Die Effloreszenzen treten segmental in den sensiblen Innervationsgebieten eines Hirn- oder Spinalnervs auf. Die Inzidenz steigt ab dem 50. Lebensjahr.

    Die Prodromalsymptome sind Schmerzen, Dys- und Parästhesien, Brennen, Pruritus, Fieber, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen. Es entsteht initial ein unilaterales Erythem. Danach entwickeln sich makulopapulöse Effloreszenzen und gruppiert stehende Bläschen und Pusteln. Die akuten Schmerzen sind scharf oder stechend. Der Herpes zoster kann zahlreiche, schwerwiegende Komplikationen verursachen.

    Die antivirale Therapie sollte schnell beginnen. Vor allem Zoster-assoziierte Schmerzen können dadurch verringert werden. Die weitere Schmerztherapie orientiert sich an der Schmerzintensität.

    Inzwischen gibt es einen speziellen Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster. Nach vorliegenden Studienergebnissen reduziert er zum einen die Zoster-Inzidenz, zum anderen die Krankheitsschwere und -last.

    Patienten mit generalisiertem Herpes zoster sollten einer orientierenden Untersuchung und einem HIV-Test unterzogen werden. Bei lokalisierten Erkrankungen kann, abhängig von Alter und Befund, eine Bestimmung der HIV-Antikörper erfolgen. (otc)

    Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Erste Hilfe bei Varizellen-Alarm"

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