Ärzte Zeitung online, 26.09.2017
 

Versorgung

Brandenburger blicken pessimistisch in Zukunft

Nur jeder Zweite in Brandenburg ist mit der medizinischen Versorgung vor Ort zufrieden. Das zeigt eine Bürgerbefragung, die jetzt im Landtag vorgestellt wurde. Die Notfallversorgung im Land schneidet hingegen gut ab.

Von Julia Frisch

Brandenburger blicken pessimistisch in Zukunft

POTSDAM. Ein Großteil der Menschen in Brandenburg ist zufrieden mit der Notfallhilfe im Land. 78 Prozent der Brandenburger verteilen bei einer Befragung gute und sehr gute Noten für die Verfügbarkeit von Krankenwagen, Notarzt oder Feuerwehr.

Wie sind die Bürger Brandenburgs mit ihren Lebensbedingungen zufrieden? Das wollte die Enquetekommission "Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels" wissen und beauftragte im März dieses Jahres ein Meinungsforschungsinstitut damit, Brandenburgs Bürger zu befragen.

Das Ergebnis: Besonders zufrieden sind die Märker mit den Natur- und Umweltbedingungen, 79 Prozent der Befragten bewerteten diese als gut oder sehr gut. Auch die Verfügbarkeit von Betreuungs- und Pflegeangeboten für Ältere wird mit sehr gut und gut eingeschätzt (67 Prozent).

Sogar sehr schlechte Versorgung?

Auf einem Platz ganz weit hinten auf der Zufriedenheitsskala landet dagegen die medizinische Versorgung. Nur das Angebot an Kulturveranstaltungen und von Treffpunkten vor Ort wird von den Brandenburgern noch schlechter beurteilt. Nur 49 Prozent der Befragten finden die Versorgung durch Ärzte und Apotheker gut oder sehr gut. 16 Prozent halt sie sogar für schlecht und sehr schlecht.

Bei den Pflege- und Betreuungsangeboten hat sich aus Sicht der Brandenburger in den vergangenen Jahren also viel getan: 59 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass auf diesem Gebiet Verbesserungen erreicht wurden. 48 Prozent glauben sogar, dass in der kommenden Dekade weitere Fortschritte erzielt werden. Dagegen fallen die Erwartungen zur Entwicklung der medizinischen Versorgung nicht so rosig aus: Ein Viertel der Brandenburger sind der Meinung, dass sich die medizinische Versorgung vor Ort in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert hat. 53 Prozent konnten immerhin keine nennenswerten Verschlechterungen, aber auch keine Verbesserungen feststellen.

Verschlechterung erwartet

Für die Zukunft, die nächsten zehn Jahre, rechnen allerdings 29 Prozent der Befragten mit Verschlechterungen, nur 23 Prozent erwarten Verbesserungen. 48 Prozent glauben, dass alles beim bisherigen Status quo bleibt. Mit dieser doch recht pessimistischen Einschätzung wird die künftige Entwicklung im Bereich medizinische Versorgung mit Abstand am schlechtesten bewertet. Insgesamt fragte die Enquetekommission "Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels" nach der Zufriedenheit mit 16 Versorgungsleistungen.

Was müsste sich in den nächsten zehn Jahren ändern, damit der Ort für die nächste Generation lebenswert bleibt? Auch das wollten die Meinungsforscher wissen. 33 Prozent der Befragten halten die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für am wichtigsten sowie ein größeres Angebot von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche (16 Prozent) und eine Verbesserung der kulturellen Veranstaltungen (14 Prozent).

Jeweils gut neun Prozent der Brandenburger halten es ebenso für wichtig, die medizinische Versorgung zu gewährleisten, Straßen auszubauen, öffentliche Verkehrsanbindungen zu verbessern und Kinderbetreuungs- und Schulangebote auszuweiten.

Im Juni 2015 wurde vom Landtag Brandenburg die Einsetzung der Enquete-Kommission beschlossen. Aufgabe der Enquete-Kommission ist es, ein Konzept für eine wirkungsvolle Daseinsvorsorge sowie für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung der ländlichen Regionen zu erarbeiten. Dazu wurden rund 1000 Personen ab 16 Jahren befragt.

Weitere Informationen zur

Enquetekommission: http://bit.ly/2yBFpsj

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