Ärzte Zeitung, 19.10.2016

Studie im Saarland

Warum so viele Herzinfarkte?

Zu viele Herztode und keine befriedigende Erklärung: Das saarländische Gesundheitsministerium sucht nach Ursachen – und alle Kliniken helfen mit.

SAARBRÜCKEN. Im Saarland soll mit einer groß angelegten Studie ermittelt werden, warum in dem kleinsten Flächenland der Republik überdurchschnittlich viele Menschen an Herzinfarkten sterben.

Das hat jetzt die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) in Saarbrücken angekündigt. Die Studie mit dem Titel "Myokardinfarkt-Register Saarland" soll vom Ludwigshafener Institut für Herzinfarktforschung erstellt werden. Ziel der Studie ist es, den Status der präklinischen und klinischen Versorgung von Herzinfarkt-Patienten im Saarland zu dokumentieren und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. An der Studie sollen alle saarländischen Krankenhäuser und der Rettungsdienst teilnehmen.

Hintergrund ist die überdurchschnittlich hohe Zahl von Herztoten im Saarland. Nach den letzten Zahlen der Deutschen Herzstiftung sterben im Saarland pro 100 000 Einwohner 75 an einem akuten Herzinfarkt. In Berlin sind es dagegen nur 48, in Schleswig-Holstein sogar nur 43 (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Auch an einer koronaren Herzerkrankung sterben im Saarland mehr Menschen als im Bundes-Durchschnitt.

Projektstart im Oktober

Die erste Phase der Studie im Saarland hat bereits Anfang Oktober begonnen. Dabei soll zunächst der Ist-Zustand bei der Versorgung der Herzinfarkt-Patienten ermittelt werden. In Phase 2 sollen die Ergebnisse ausgewertet und Verbesserungsvorschläge erarbeitet und umgesetzt werden. Zum Schluss ist eine Überprüfung der Maßnahmen geplant. Das Projektende ist für März 2018 vorgesehen. Allerdings plant das Gesundheitsministerium darüber hinaus noch eine langfristige Nach-Beobachtung der Patienten.

Telefoninterviews geplant

Bis zum Jahr 2023 sollen die Patienten mehrfach telefonisch von Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums befragt werden. Dabei sollen unter anderem auch Daten zum Übergang von der stationären zur ambulanten Versorgung, zu Risikofaktoren, körperlicher Aktivität und zum Ernährungsverhalten erhoben werden.

Begleitet wird die Studie von einer Informations- und Aufklärungskampagne des Ministeriums zum Thema Herzinfarkt. Dazu soll eine Informationsbroschüre in allen saarländischen Arztpraxen, Apotheken und Rathäusern verteilt werden. Die Broschüre enthält unter anderem Tipps zur Vorbeugung und Informationen darüber, wie ein Herzinfarkt frühzeitig erkannt werden kann. (kin)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »