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Hauptstadtkongress

Investoren-Kapital im ambulanten Bereich polarisiert weiterhin

Die sogenannten Heuschrecken, sprich Private Equity, im Gesundheitswesen einzudämmen, ist Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach trotz starker Worte nicht gelungen. Also gehen die Diskussionen weiter.

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Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt (l.) im Gespräch mit Chefarzt Leyton Kraft vom Helios-Konzern.

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt (l.) im Gespräch mit Chefarzt Leyton Kraft vom Helios-Konzern.

© Christoph Barkewitz

Berlin. Die beim Hauptstadtkongress in Berlin am Mittwoch diskutierte Frage, ob privates Kapital in der ambulanten Versorgung eher Fluch oder Segen darstelle, ist für Sibylle Stauch-Eckmann eindeutig zu beantworten. Nämlich mit einem klaren „Ja“, so die Vorsitzende des Bundesverbands der Betreiber medizinischer Versorgungszentren (BBMV).

„Wir müssen doch nur auf die Realität schauen, warum wir privates Kapital brauchen“, sagt Strauch-Eckmann und nennt Gründe: medizinischer Fortschritt, Demografie, Fachkräftemangel und Investitionslücken im ambulanten Bereich. „Warum also sollten wir nicht jede helfende Hand zulassen?“

Diesen altruistischen Gedanken wollte ihr Gegenpart Dr. Janosch Dahmen von der Grünen-Bundestagsfraktion so nicht stehen lassen. Der Unfallchirurg und Notfallmediziner stellte fest, die Gesundheitsversorgung mittels privater Kapitalgeber insbesondere im ambulanten Bereich sei nicht an Patientenbedürfnissen orientiert, sondern am Geld verdienen. Dies führe regelmäßig zu mehr Behandlungen als es die Leitlinien vorsähen. Als Ergebnis gebe es „krasse Fälle von Fehl-, Unter- und Überversorgung“.

Warnung vor „Rosinenpickerei“

Dahmen brachte dazu auch Beispiele. So die Augenärzte in Berlin, ein Fachgebiet, das inzwischen sehr stark von privaten Betreibern besetzt sei. Tatsächlich sei hier weniger der Versicherungsstatus maßgeblich, sondern das Alter der Patienten. Trotz gutem Versorgungsgrad sei ein Termin für eine lukrative Grauer-Star-Operation sofort zu haben, ein Termin für eine zeitintensive Schielbehandlung für Kinder hingegen kaum. Mit „Rosinenpickerei“ sei eben schnellere Rendite zu erwirtschaften als mit breiter Versorgung.

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Desweiteren die Labormedizin, die ein Ausgabenvolumen erreicht habe, das medizinisch völlig unnötig sei, sondern Renditevorgaben geschuldet sei, so Dahmen. „Wir haben überdreht, die Ineffizienz des deutschen Gesundheitswesens ist für sehr Investoren sehr attraktiv.“

BBMV-Chefin Stauch-Eckmann deutete dies anders: „Gestaltbare Märkte sind interessant für Investoren.“ Alle Player im Gesundheitswesens sollten selbiges gemeinsam gestalten, statt einzelne zu verbieten. Die von Dahmen genannte „Rosinenpickerei“ könne doch jetzt schon durch gute Kontrollsysteme der Selbstverwaltung verhindert werden.

„Versorgungsauftrag muss erfüllt werden“

Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt fügte an, privaten MVZ-Betreibern müsse klar gesagt werden, dass ein Versorgungsauftrag erfüllt werden müsse und eben nicht nur „Rosinenpickerei“ betrieben werden dürfe. „Da muss man sonst zur Not auch mal über einen Zulassungsentzug nachdenken.“

Auf die weiterführende Frage, ob die Ökonomie die Medizin dominiere, antwortete Reinhardt, auch niedergelassener Hausarzt in Bielefeld, Ökonomie sei ja an sich „eine kluge und vernünftige Verhaltensweise, aber wir kritisieren Kommerzialisierung“.

Prof. Leyton Kraft, Ärztlicher Direktor und Chefarzt innerhalb des privaten Helios-Konzerns, befand, Ökonomie sei nicht Gegner der Medizin, sondern ein Teil davon. Es gelte nicht zwischen Ökonomie und Medizin zu unterscheiden, sondern vielmehr zwischen guter und schlechter Ökonomie. (bar)

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