Auftakt in Berlin

Krebskongress richtet Fokus auf Langzeitüberlebende

Bei der Eröffnung des Deutschen Krebskongresses in Berlin wurden bessere Versorgungsstrukturen für Patienten angemahnt, die Krebs langfristig überleben.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Der 33. Deutsche Krebskongress ist eröffnet: Kongresspräsident des DKK 2018 Prof. Dr. Thomas Wiegel (links), Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe, Prof. Dr. Peter Albers, DKG-Präsident (rechts).

Der 33. Deutsche Krebskongress ist eröffnet: Kongresspräsident des DKK 2018 Prof. Dr. Thomas Wiegel (links), Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe, Prof. Dr. Peter Albers, DKG-Präsident (rechts).

© berlin-event-foto.de/DKK 2018

BERLIN. Vier Millionen Menschen in Deutschland sind aktuell an Krebs erkrankt oder haben die Krankheit überstanden. Das hat Auswirkungen auf die Versorgung. Das Langzeitüberleben rückt in den Fokus der Politik und der onkologischen Fachgesellschaften.

Die Betroffenen brauchten psychosoziale und psychoonkologische Angebote sowie onkologische Pflege. Darauf hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zur Eröffnung des 33. Deutschen Krebskongresses am Mittwochnachmittag hingewiesen. Gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe werde das Langzeitüberleben in den Nationalen Aktionsplan implementiert. Beteiligt sei auch das Kinderkrebsregister, für das Deutschland weltweit ein Alleinstellungsmerkmal habe.

Das längere Überleben mit und nach Krebs sei Ergebnis von innovativen Therapien, sagte Gröhe. Es gebe bereits 50 Arzneimittel, die in der personalisierten Medizin eingesetzt werden könnten. Es müssten jedoch Strategien gefunden werden, um den Nutzen von Therapien zu bewerten, die jeweils für immer kleinere Patientengruppen wirksam seien. Diesen Fragen werde eine vom Gesundheits- und Forschungsministerium gemeinsam ausgerichtete, internationale Konferenz im November in Berlin nachgehen.

Breit angelegte Präventionsstrategie nötig

Zur Beobachtung der Langzeitwirkungen von Krebserkrankungen und ihrer Therapien müssten Wege gefunden werden, die bei den Krankenkassen schlummernden Datenschätze zu heben. Auch daran arbeiten BMG und BMBF bereits gemeinsam im Projekt "Databox". Über die Auswertung von Daten zu Gensequenzierungen und Laborwerten unter anderem versuche man zu gezielten, therapieorientierten Ergebnissen zu gelangen. Gröhe kündigte zudem ein Projekt an, in dem die Selbstverwaltung, das Umwelt- und das Gesundheitsministerium die langfristigen Auswirkungen des Brustkrebsscreenings unter die Lupe nehmen wollen.

Für die Darmkrebsvorsorge sei es zudem wichtig, familiär vorbelastete Menschen zu früherer Vorsorgeuntersuchung zu bewegen und diese auch zu ermöglichen, sagte er.

Eine breit angelegte Präventionsstrategie forderte der Präsident der Deutschen Krebshilfe Fritz Pleitgen von der Politik. Diese müsse von der Kita über die Schulen und Betriebe das ganze Leben umspannen. Die mit dem Präventionsgesetz von 2015 eingeleiteten Maßnahmen seien nicht wirklich wahrnehmbar, wandte sich Pleitgen an Gröhe. Nicht die Zahl der Kranken müsse steigen, sondern die der Gesunden.

Für eine bessere Früherkennung und eine weiterhin konsequente Qualitätssicherung der Primärbehandlung sprach sich der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Professor Peter Albers aus. "Wir sehen, dass politische Maßnahmen der letzten Jahre greifen. Auf diesem Weg müssen wir weiter fortschreiten", so Albers. An Erfolgen der vergangenen Jahre nannte Albers neben dem Zertifizierungsprogramm der DKG auch den Auf- und Ausbau der epidemiologischen Krebsregister, bei denen mittlerweile in allen Bundesländern eine Abdeckung von über 90 Prozent erreicht sei.

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