Patientensicherheit

QM-Tools brauchen mehr Evidenz

Patientensicherheit muss Führungsaufgabe und Forschungsgegenstand werden, fordern führende Qualitätsmanagement-Experten.

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BERLIN. Was verhindert echte Fortschritte bei der Patientensicherheit in Kliniken? Das diskutierten Experten bei einem Symposium der Siemens BKK im Rahmen des Hauptstadtkongresses.

Professor Maria Eberlein-Gonska vom Uniklinikum Dresden vertritt die Auffassung, dass für den Fortschritt in der medizinischen Fehlerkultur mehr Evidenz nötig ist. „Es gibt viele Instrumente im Qualitätsmanagement, aber nur für wenige liegt Evidenz vor.

Sie fordert, dass QM-Maßnahmen grundsätzlich evaluiert werden und kritisiert, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) in seinen QM-Richtlinien Instrumente verpflichtend festlege, für die es keine Evidenz gebe. Andererseits seien Instrumente mit nachgewiesener Evidenz nicht vorgesehen.

Beispielhaft nannte sie Obduktionen, so genannte M&M-Konferenzen und pharmazeutische Unterstützung für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit.

QM in die Ausbildung

Dr. Ruth Hecker, stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) fordert, dass Patientensicherheit in der Ausbildung zentral verankert wird.

Zudem müssten für Kommunikations- und Simulationstraining im Klinikalltag Ressourcen zur Verfügung stehen. Zugleich sei Patientensicherheit als strategische Aufgabe auf der Ebene des Top-Managements anzusiedeln. „Einen anderen Umgang mit Fehlern können wir nur erreichen, wenn wir die Führungsebene in die Verantwortung nehmen“, sagte Hecker.

Die Vorstandsebene selbst müsse mit gutem Beispiel vorangehen, Berichte der QM-Abteilung persönlich entgegennehmen und bestimmte Bereiche selbst analysieren, meint Hecker.

Fehlerkultur im Wandel

An der Berliner Uniklinik Charité sind wöchentliche Telefonkonferenzen zwischen der QM-Abteilung und dem stellvertretenden Ärztlichen Direktor etabliert. Das berichtete die QM-Projektmanagerin der Charité Dr. Julia Rohe. Die Charité arbeitet mit dem Fehlermanagementsystem CIRS.

Wer einen Fehler meldet, kann dabei seit 2018 freiwillig seine Kontaktdaten angeben. Rohe zeigte sich überrascht, dass das bei jeder zweiten Meldung passiert. Sie beobachtet, dass der Umgang mit Fehlern sich auch in der Chefarzt-Etage ändert.

14,3 Prozent der Kliniken in Deutschland pflegen einen aktiven Umgang mit Fehlern. Das zeigt eine Umfrage der Agentur Business Emotion. 34,7 Prozent der Kliniken halten sich für vorbereitet, 51 Prozent beschäftigen sich aber gar nicht mit dem Thema.

Agenturgeschäftsführer Edgar Luber hält vor allem einen Abbau von Hierarchien und die Etablierung von interprofessionellen Kommunikationsstandards für zentral, damit die Sicherheitskultur in Kliniken Fortschritte machen kann. (ami)

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