Weiterentwicklung des DRG-Systems stockt wegen Pflege-Fördermitteln

Kassen und Kliniken sind uneins über die Einpreisung der Fördermittel. Für den Fallpauschalenkatalog 2012 erlässt das Gesundheitsministerium eine Ersatzvornahme.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Erstmals seit Jahren haben sich Krankenhäuser und Krankenkassen nicht auf eine Vereinbarung für die Weiterentwicklung des DRG-Systems verständigen können. Deshalb wird es für den Fallpauschalenkatalog 2012 eine Ersatzvornahme des Bundesgesundheitsministeriums geben.

"Wir rechnen damit, dass wir die Ersatzvornahme Anfang Dezember in trockenen Tüchern haben", sagte Ferdinand Rau, Referatsleiter "Wirtschaftliche Fragen der Krankenhäuser" im Ministerium, beim 34. Deutschen Krankenhaustag.

Grund für das Scheitern war nicht der Inhalt des DRG-Katalogs, sondern die Überführung der Finanzmittel aus dem Pflegestellen-Förderprogramm. Die Gelder, die von den Kassen in den Jahren 2009 bis 2011 zur Einstellung neuer Pflegekräfte gezahlt wurden, sollen zielgerichtet in Bereiche mit einem hohen pflegerischen Aufwand fließen.

Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus hat dafür zwei neue Zusatzentgelte ermittelt: 1290 Euro für Erwachsene und 2805 Euro für Kinder.

Da im Krankenhausentgeltgesetz nur die Rede von einer Überführung der Pflegefördermittel in den Landesbasisfallwert ist, fürchten die Krankenkassen jetzt, dass die Zusatzentgelte dann noch aufgesattelt werden. Es gebe das Risiko der Doppelfinanzierung, sagte Dr. Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband. "Wir wollen eine Überführung der Mittel ohne Mehrung und Minderung."

Dr. Roland Laufer von der Deutschen Krankenhausgesellschaft hält die Befürchtung für unbegründet. "Der Vorwurf, die Krankenhäuser wollten höhere Beträge erzielen, ist fern der Realität." Laufer bezifferte das Finanzvolumen des Förderprogrammes für das Jahr 2011 mit 500 Millionen Euro.

2012 würden über die neuen Zusatzentgelte rund 300 Millionen Euro als zusätzliche Erlöse an die Krankenhäuser fließen, sagte er. Die restlichen 200 Millionen Euro kämen über eine Erhöhung der Landesbasisfallwerte.

In der Ersatzvornahme werde klar festgelegt, dass die Fördermittel weder erhöht noch geschmälert werden dürfen, kündigte Rau an.

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie eine Gynäkologin ihre Krebserkrankung in einem Comic verarbeitet

Lesetipps
Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Ein Mann zieht an einem riesigen Virus.

© freshidea / stock.adobe.com

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein