Kardiologen raten

„ACE-Hemmer nicht absetzen!“

Eine Studie hat einen Zusammenhang zwischen ACE-Hemmern und Bronchial-Ca ergeben. Die DGK rät, die Daten mit Vorsicht zu bewerten.

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Einnehmen oder nicht? Studiendaten zu ACE-Hemmern und Lungenkrebsrisiko sorgen unter Kardiologen für Verunsicherung.

Einnehmen oder nicht? Studiendaten zu ACE-Hemmern und Lungenkrebsrisiko sorgen unter Kardiologen für Verunsicherung.

© danilkorolev / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, sind aufgrund von kürzlich publizierten Daten einer britischen Studie verunsichert. Die Forscher hatten bei mit ACE-Hemmern behandelten Patienten ein höheres Lungenkrebsrisiko beobachtet als bei Patienten, die andere Blutdrucksenker einnehmen (BMJ 2018; 363: k4209).

Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) sehen viele Schwächen in der Studie und raten, die Daten zurückhaltend zu bewerten. Viele Patienten profitierten enorm von einer ACE-Hemmer-Therapie und sollten die Medikamente keinesfalls absetzen, heißt es in der DGK-Mitteilung.

In der Studie hatten mit ACE-Hemmern versorgte Patienten gegenüber AT1-Antagonisten einnehmenden Patienten eine um 14 Prozent und im Vergleich mit einer Gruppe, die andere Blutdrucksenker erhielt, eine um 6 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, Lungenkrebs zu entwickeln.

Keine Daten zum Tabakkonsum

Bei der Einordnung der Studiendaten müsse beachtet werden, dass sie Ergebnis einer reinen Beobachtungsstudie sind, die naturgemäß zunächst einmal mögliche Zusammenhänge aufzeige, nicht aber Aussagen zu Ursache und Wirkung treffen kann. „Eine ganz wesentliche Schwäche der Studie ist, dass diverse beeinflussende Faktoren nicht berücksichtigt werden konnten, weil keine Informationen dazu vorlagen“, wird Professor Ulrich Kintscher, Charité Berlin, zitiert.

Lungenkrebs sei multifaktoriell bedingt und die Kontrolle anderer beeinflussender Faktoren daher sehr wichtig, betont der Pharmakologe. In der Studie habe es etwa keine Daten zu Dauer und Intensität des Tabakkonsums gegeben.

Bedacht werden müsse darüber hinaus, dass die Daten der britischen Studie sich in eine lange Liste äußerst diverser Studienergebnisse einreihen. In einigen vorherigen Studien zeigte sich ein Zusammenhang, in anderen wiederum nicht.

Reizhusten unter ACE-Hemmern – ein möglicher Bias?

Als Signal werde die Studie in Kardiologenkreisen ernst genommen. Es gelte allerdings, stets sorgfältig zwischen dem Nutzen, den Patienten aus der Therapie ziehen, und den Risiken abzuwägen. Daher seien weitere Studien nötig, um die Frage abschließend beurteilen zu können.

Ein „Detection-Bias“ entsteht zudem durch eine häufige Nebenwirkung der ACE-Hemmer: Sie verursachen bekanntlich bei vielen Patienten Reizhusten. Dies führe dazu, dass diese Patienten vermehrt mit bildgebenden Maßnahmen auf Erkrankungen der Lunge untersucht und Karzinome besser entdeckt werden können als bei anderen Teilen der Bevölkerung.

Aufgrund der nun erschienenen Daten besteht aktuell zunächst einmal kein Anlass, die Medikation von mit ACE-Hemmern behandelten Patienten, die das Medikament gut vertragen, umzustellen, heißt es in der Mitteilung. „Viel mehr Sorgen sollten die häufig zu niedrig angesetzte Dosierung der Medikamente durch die Ärzte und die oft mangelnde Einnahmetreue der Patienten bereiten“, so Professor Ulrich Laufs vom Uniklinikum Leipzig.

Die für Herz- und Bluthochdruckpatienten sehr nützlichen und lebensverlängernden Präparate sollten also auf keinen Fall abgesetzt werden. „Bei bestimmten Patienten, beispielsweise mit erhöhtem Risiko für oder bereits bestehenden Lungenkrebserkrankungen, kann der Ersatz des ACE-Hemmers erwogen werden“, ergänzt Kintscher. (eb)

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