Direkt zum Inhaltsbereich

ADHS in sozial schwachen Familien - oft keine Therapie

CINCINNATI (gvh/eis). In den USA hat etwa jedes zwölfte Kind im Alter von 8 bis 15 Jahre eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Studie ist die ADHS-Rate dort in sozial schwachen Familien doppelt so hoch wie in wohlhabenden Familien. Bei Kindern aus der Unterschicht wird die Störung zudem seltener erkannt und Betroffene werden seltener gezielt therapiert.

Veröffentlicht:
Allein und ausgegrenzt: Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung gehen ihren Mitmenschen oft auf die Nerven.

Allein und ausgegrenzt: Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung gehen ihren Mitmenschen oft auf die Nerven.

© Foto: Karl Yamashitawww.fotolia.de

In einer repräsentativen Gruppe von 3082 Kindern wurde bei 8,7 Prozent anhand der DSM-IV-Kriterien* ADHS diagnostiziert. Das berichten Dr. Tanja E. Froehlich vom Children´s Hospital Medical Center Cincinnati im US-Staat Ohio und ihre Kollegen (Arch Pediatr Adolesc Med 161, 2007, 857). Hochgerechnet auf die USA wären nach den Daten etwa 2,4 Millionen Kinder von ADHS betroffen. Zum Vergleich: Auch in Deutschland wird die ADHS-Rate auf bis zu 8 Prozent aller Kinder geschätzt.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • ADHS trat öfter bei Jungen als bei Mädchen auf (11,8 Prozent versus 5,4 Prozent). Bei vielen betroffenen Mädchen wurde ADHS in der Studie erstmals diagnostiziert.
  • ADHS trat öfter bei weißen Kindern auf als bei Kindern von Hispanoamerikanern oder Kindern von anderen ethnischen Gruppen.
  • Bei Kindern aus dem Fünftel der Familien mit dem geringsten Einkommen trat ADHS fast doppelt so häufig auf wie bei Kindern aus dem Fünftel der Familien mit höchstem Einkommen (11 vs 6,4 Prozent).

ADHS wird durch Frühgeburt oder auch Alkohol, Nikotin und andere toxische Substanzen in der Schwangerschaft und in der Kindheit begünstigt. In sozial schwachen Familien gebe es gehäuft solche Risikofaktoren, so die Forscher. ADHS wird zudem in hohem Maße in Familien vererbt. Negative Auswirkungen auf soziale Kompetenzen und die Bildung könnten zusätzlich dazu führen, dass sich ADHS in sozial schwachen Familien häuft.

In sozial schwachen Familien wurden zudem nur etwa 16 Prozent der ADHS-Kinder behandelt. In wohlhabenden Familien war der Anteil der behandelten Kinder dreimal so groß. Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen bei der ADHS-Therapie waren nicht zu erkennen.

*DSM-IV steht für Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders /vierte Version.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Selektivvertrag und elektronische Verschreibung

Hilfsmittel: Erprobung des eRezeptes wird ausgeweitet

Lesetipps
Erreger schwirren durch die Luft.

© Grispb / Stock.adobe.com

Primäre und sekundäre Formen

Immundefekte erkennen: So klappt’s in der Praxis

Ein arzt schaut einem alten Patienten genau ins Gesicht

© Yuri Arcurs / adobe.stock.com

Leitlinie

Wie Sie Schmerzen bei Demenz-Patienten erkennen

Ein verschrumpelter roter Luftballon mit ganz wenig Luft.

© Jörg Lantelme / Stock.adobe.com

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose