Neue EU-Regelung

"Acrylamid gefährlicher als Stickoxide"

Die EU macht Druck in Sachen Acrylamid. Ab 11. April gelten strengere Vorgaben für Lebensmittelhersteller. Es wird aber auch mehr Aufklärung gefordert.

Veröffentlicht: 10.04.2018, 11:38 Uhr
"Acrylamid gefährlicher als Stickoxide"

Acrylamid entsteht beim Backen, Rösten und Frittieren der Lebensmittel und hängt vom Zucker- und Stärkegehalt der Nahrungsmittel ab.

© Kalle Kolodziej / stock.adobe.com

BRÜSSEL. Bessere Angaben auf der Verpackung und klare Vorschriften für die Produktion – damit will die EU den Acrylamid-Gehalt in Lebensmitteln wie Pommes frites, Kartoffelchips oder Keksen deutlich reduzieren. Die entsprechende EU-Verordnung tritt mit dem 11. April in Kraft.

"Acrylamid ist nicht nur wesentlich gefährlicher als das aus dem Eier-Skandal bekannte Fipronil und das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, sondern auch beispielsweise als Stickoxide, die im Moment die Diskussion um die Fahrverbote in Deutschland bestimmen", sagt der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese.

Er begrüßt die Verordnung daher ausdrücklich. "Im Gegensatz zu den vorgenannten Stoffen ist es in der Wissenschaft so gut wie unumstritten, dass Acrylamid in den Dosen, welche viele Menschen zu sich nehmen, dass Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken. Es handelt sich um ein echtes Gesundheitsproblem."

Die Mengen, die insbesondere Jugendliche zu sich nähmen, seien erheblich, warnt er.

"Jeder Bürger kann etwas für seine Gesundheit tun"

Der gesundheitsgefährdende Stoff entsteht beim Backen, Rösten und Frittieren der Lebensmittel und hängt vom Zucker- und Stärkegehalt der Nahrungsmittel ab. Sobald die Temperatur über 170 bis 180 Grad steige, nehme auch der Acrylamid-Wert schlagartig zu, so Liese.

Der EU-Abgeordnete, der auch gesundheitspolitischer Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten) ist, sieht daher neben einer maßvollen Regulierung von Acrylamid-Werten auch die Notwendigkeit die Verbraucher besser aufzuklären.

"Ein großer Teil der Acrylamidbelastung entsteht durch selbst zubereitete Speisen. Hier kann jeder Bürger etwas für seine Gesundheit tun", sagt Liese.

Nach der EU-Verordnung gilt für Pommes frites (verzehrfertig) von nun an etwa ein Richtwert von 500 µg/kg, für Kekse von 350 µg/kg und für Röstkaffee von 400 µg/kg.

Die EU-Verordnung empfiehlt den Herstellern zudem, bei der Neuproduktentwicklung möglichst auf Erzeugnisse auf Mais- und Reisbasis zu setzen, weil diese einen niedrigeren Acrylamidgehalt aufweisen würden als Erzeugnisse auf Weizen-, Roggen-, Hafer- und Gerstenbasis. Die Verbraucherzentrale hat Tipps für Verbraucher zusammengestellt. (reh)

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