Ältere Menschen leiden immer häufiger unter Suchtproblemen

BERLIN (af). Immer mehr Menschen über 60 Jahre sind von Alkohol, Medikamenten oder Zigaretten abhängig. Das hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm festgestellt.

Veröffentlicht:

Bei üblicherweise dem Alter zugeschriebenen Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder Gleichgewichtsstörungen sollten Ärzte Suchtprobleme mit abfragen, rieten Vertreter der Hauptstelle, des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) und der Barmer Ersatzkasse bei einer Pressekonferenz gestern in Berlin.

Drogenmißbrauch und Abhängigkeit alter Menschen haben die Partner zu einem Schwerpunkt der Tätigkeit im Jahr 2006 erklärt. Eine Kampagne soll vermitteln, daß sich auch alte Menschen von körperlichen Beschwerden befreien können, die durch Alkohol, Tabletten und Zigaretten ausgelöst werden, sagte DHS-Vize Raphael Gaßmann.

Von Drogenmißbrauch ausgelöste Krankheiten treiben Abhängige überdurchschnittlich oft in Arztpraxen, hat das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim festgestellt. Ärzte könnten dazu beitragen, die Hintergründe aufzuklären und Anstöße zur Verhaltensänderung geben. Helfen könnten Fragebögen und kurze Gespräche mit den Patienten, rät Professor Siegfried Weyerer, Leiter der Arbeitsgruppe Psychogeriatrie in Mannheim.

Wieviele der 21 Millionen Menschen jenseits der 60 in Deutschland tatsächlich betroffen sind, ist nicht erfaßt. Die Hauptstelle geht aber davon aus, daß rund zwei bis drei Prozent der älteren Männer und ein Prozent der Frauen schwer trinken, etwa 16 Prozent der Zielgruppe raucht und fünf bis zehn Prozent zuviel Psychopharmaka einnehmen. Sichtbar ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Experten schätzen, daß weitere 3,5 Millionen Menschen im Rentenalter an der Grenze zur Alkoholsucht stehen.

Die Probleme werden von den Betroffenen weitgehend verschwiegen und von der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen. Bei den Beratungsstellen der Hauptstelle fanden sich 2004 rund 11000 Männer und Frauen dieser Altersgruppe ein, um sich beraten zu lassen. Fachkliniken für Suchtkranke meldeten rund 1500 ältere Patienten. "Viel zu häufig heißt es, bei älteren Menschen komme jede Hilfe zu spät", sagte Raphael Gaßmann. Tatsächlich lohne sich ein suchtfreies Leben auch für Senioren.

Weitere Infos zur Kampagne: www.unabhaengig-im-alter.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Urteil zur Substitutionsbehandlung

Methadon-Praxis darf nicht beliebig erweitert werden

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe