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Risikogruppen

Ältere Menschen und Betreuer brauchen Grippe-Schutz!

Besonders viele alte Menschen sind im vergangenen Winter schwer an Influenza erkrankt oder gestorben. In dieser Risikogruppe lässt sich der jährliche Grippeschutz noch deutlich optimieren.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Der Piks gehört zur bestmöglichen Grippeprävention.

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© goodluz - stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. In der vergangenen Grippe-Saison haben in Deutschland Influenza A (H3N2)-Viren dominiert. Insgesamt 93 Prozent Anteil hatte dieser Subtyp bei den beim Robert Koch-Institut (RKI) untersuchten bundesweiten Stichproben von Patienten. Solche H3N2-Viren sind berüchtigt für besonders schwere Krankheitsverläufe, vor allem bei alten Menschen.

Fast jeder Vierte stationär behandelt

Das spiegelt sich auch in den Statistiken zur vergangenen Saison wider: Nach Angaben der AG Influenza (AGI) am RKI wurde fast jeder vierte gemeldete Grippe-Patient im vergangenen Winter stationär behandelt, und 94 Prozent der gemeldeten Todesfälle gab es bei Patienten im Alter ab 60 Jahre.

Zum Vergleich: Bei der besonders schweren Grippewelle vor zwei Jahren (2014/15) war nur jeder sechste Patient mit Influenza in einer Klinik behandelt worden, und nur 79 Prozent der Gestorbenen waren im Seniorenalter. Auch damals hatten H3N2-Viren dominiert, allerdings war der Anteil mit 62 Prozent deutlich geringer .

Schutz für Kontaktpersonen wichtig

Besonders auch wegen des erhöhten Sterberisikos brauchen alte Menschen die Grippe-Impfung. "Das Risiko einer Influenza-Erkrankung sollte vor jeder Saison ernst genommen werden", betont der RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler in einer Mitteilung seines Instituts.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung für Ältere, chronisch Kranke und Schwangere. Zudem sollten alle geimpft sein, die Kontakt zu solchen Risikogruppen haben, vor allem das Medizin- und Pflegepersonal.

Die Impfquoten sind nach wie vor völlig unzureichend, wie eine Analyse von Anfang 2016 zeigt (Epi Bull 2016; 1: 1). Bei Senioren lag die Impfquote vor zwei Jahren demnach bei 36,7 Prozent , das war der niedrigste Stand seit sechs Jahren. Damals hatten sich noch fast 50 Prozent der Senioren gegen Grippe impfen lassen.

Schwere Grippe-Epidemie?

Es gibt Hinweise, dass die Grippesaison im vergangenen Winter eher schwer verlaufen ist. Das zeigt ein Vergleich zur Grippesaison 2014/15, die als die ausgeprägteste der letzten 20 Jahre gilt. Das RKI hatte damals die Zahl der Influenza-bedingten Todesfälle auf 21.300 geschätzt (Exzess-Mortalität während der Grippewelle).

Solche Daten zur Exzess-Mortalität gibt es für den letzten Winter noch nicht, was eine abschließende Bewertung zurzeit ausschließt, teilte das das Robert Koch-Institut auf Anfrage mit.

Allerdings: Die Zahl der gemeldeten laborbestätigten Influenza-Fälle war 2016/17 mit über 114.000 deutlich höher als in der Ausnahmesaison 2014/15 (80.600). Das Gleiche gilt für die unmittelbar in der Saison gemeldeten Todesfälle: 717 in 2016/17 im Vergleich zu 254 (2014/15).

Im Winter 200 lokale Ausbrüche

Im vergangenen Winter wurden zudem über 200 Influenza-Ausbrüche mit mehr als fünf Fällen an das RKI übermittelt, darunter 56 in Krankenhäusern und 21 in Alten-/Pflegeheimen. Ein besonderes Anliegen von RKI-Chef Wieler ist daher die Impfung von Menschen in medizinischen Berufen.

Bei einer Veranstaltung in Mannheim hat er die niedrigen Impfraten in dieser Risikogruppe und das damit verbundene Infektionsrisiko für Patienten kritisiert.

Er zitierte dabei aus einer Umfrage unter 1200 medizinisch Beschäftigten in der vergangenen Grippesaison (Epi Bull 2016; 47: 521). Danach waren nur 56 Prozent der Ärzte und 35 Prozent der Pflegekräfte gegen Influenza geimpft, berichtete Wieler.

Viele Gründe für fehlenden Schutz wurden genannt, außer "vergessen" und "Zweifel an der Wirksamkeit" aber auch die völlig unbegründete Furcht, "die Impfung könne Grippe auslösen", sagte der RKI-Chef.

"Mangelhafte Kommunikation"

Generell sollte stärker vermittelt werden, dass die Impfung medizinischen Personals auch Patienten schützt. Der Begriff Herdenimmunität sei hierzu schlecht geeignet, betonte der RKI-Präsident. Besser sei es, von Gemeinschaftsschutz zu sprechen, und zwar auch, wenn man zum Beispiel vermitteln wolle, dass die Pertussis-Impfung des Großvaters vor allem auch das Baby in der Familie schützt.

Wieler führt Impflücken generell vor allem auf mangelhafte Kommunikation zurück: "Ich finde es bedenklich, dass mich noch nie ein Arzt auf meinen Impfschutz angesprochen hat, und ich bin 56", berichtete der RKI-Präsident.

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