Grippe-Impfung

Pflaster erspart Patienten Injektionen

Die schmerzlose Impfung mit einem Pflaster hat sich in einem ersten Test bei Menschen als sicher und immunogen gezeigt. Auch Selbst-Applikation scheint problemlos möglich.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Das Impfpflaster muss zwanzig Minuten auf der Oberseite des Handgelenks einwirken.

Das Impfpflaster muss zwanzig Minuten auf der Oberseite des Handgelenks einwirken.

© Rob Felt, Georgia Tech

ATLANTA. Mit einem Spezialpflaster können Menschen wirksam gegen Influenza geimpft werden. Das Pflaster ist mit 100 Mikronadeln mit einer Länge von 0,65 Millimetern bestückt und muss zwanzig Minuten auf das Handgelenk einwirken. Der Impfstoff gelangt dabei über die Nadeln durch das Stratum corneum in die Epidermis, berichten Forscher um Dr. Nadine G. Rouphael von der Hope Clinic of the Emory Vaccine Center an der Emory University in Atlanta im US-Staat Georgia.

Die Nadeln lösen sich nach der Applikation auf, und das Pflaster kann dann mit normalem Müll entsorgt werden, so die Forscher. Weitere Vorteile: Die Impfpflaster lassen sich ein Jahr lang bei Temperaturen bis 40°C ohne Wirkungsverlust lagern, das heißt, eine Kühlkette ist nicht nötig. Zudem können sich Menschen mit dem System problemlos selbst impfen.

In einer Phase-I-Studie mit 100 erwachsenen Probanden wurden Sicherheit, Akzeptanz und Immunogenität des am Georgia Institute of Technology entwickelten Pflasters mit einem herkömmlichen Impfstoff verglichen (Lancet 2017; online 27. Juni). Die Probanden wurden in der von den US-National Institutes of Health (NIH) finanzierten Studie nach dem Zufallsprinzip je einer von vier Gruppen zugeordnet: Bei zwei Gruppen wurde das Impfpflaster von einer medizinischen Fachkraft aufgebracht, und zwar verblindet entweder mit einem trivalenten Grippe-Impfstoff oder mit Placebo. In einer dritten Gruppe applizierten die Probanden das Impfpflaster selbst nach einer Videofilm-Anleitung und in der vierten Gruppe wurde zur Kontrolle ein herkömmlicher inaktivierter trivalenter Impfstoff mit einer Spritze in den Oberarm injiziert.

Ergebnis: Die Studie war in erster Linie konzipiert, um die Sicherheit und Akzeptanz des Impfpflasters zu prüfen. Danach gab es in den sechs Monaten nach der Impfung keine schweren Nebenwirkungen. Einige Probanden gaben jedoch vorübergehende Impfreaktionen an: Nach den herkömmlichen Injektionen gab es Schmerzen und Druckempfindlichkeit am Oberarm, in der Pflastergruppe Hautrötung, Juckreiz und Druckempfindlichkeit an der Impfstelle. 70 Prozent der Probanden mit dem Pflaster gaben an, diese Art der Applikation zu bevorzugen. Das Pflaster erwies sich zudem als immunogen: Nach der Impfung in der Grippesaison 2014/15 erkrankte keiner der Probanden an Influenza. Die Antikörper-Titer gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme (A/H1N1, A/H3N2 und B) waren vier Wochen nach Impfung mit dem Pflaster ähnlich hoch wie mit der Injektion, und zwar auch nach Selbst-Applikation.

Das Fazit der Forscher: Weil Impfpflaster mit löslichen Mikronadeln die Applikation vereinfachen, ließen sich damit die Impfraten verbessern und Kosten senken. Da für die Pflaster eine Kühlkette nicht nötig ist, ließen sie sich ohne großen Aufwand lagern und auch per Post verschicken. Außerdem wäre eine bequeme Impfung zu Hause oder am Arbeitsplatz in Sicht.

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