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Ärzte geben Gewaltopfer ein neues Gesicht

Ein Schuss ins Gesicht hat die US-Amerikanerin Connie Culp schwer entstellt. Nach einer Gesichtstransplantation kann sie jetzt wieder fast normal leben.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Die US-Amerikanerin Conni Culp vor (A bis E) und nach (F bis J) der Gesichtstransplantation. Auch 23 Operationen mit autologen Gewebeübertragungen konnten wesentliche Funktionen wie Essen, Trinken, Sprechen und Riechen nicht wiederherstellen, dies gelang erst mit einer fast kompletten Gesichtstransplantation.

Die US-Amerikanerin Conni Culp vor (A bis E) und nach (F bis J) der Gesichtstransplantation. Auch 23 Operationen mit autologen Gewebeübertragungen konnten wesentliche Funktionen wie Essen, Trinken, Sprechen und Riechen nicht wiederherstellen, dies gelang erst mit einer fast kompletten Gesichtstransplantation.

© Fotos: The Lancet

Nachdem ihr Mann ihr im September 2004 ins Gesicht geschossen hatte, überlebte Connie Culp den Angriff zwar schwer verletzt, aber das Leben danach wurde zur Qual. Die damals 41-jährige Mutter zweier Kinder hatte einen großen Teil ihres Gesichts verloren: Die Nase war zerstört, die Oberlippe fehlte, wichtige Gesichtsmuskeln wie der Orbicularis oris und Orbicularis oculi waren beschädigt, das rechte Auge ging verloren, und zum Teil waren auch die Gesichtsknochen deutlich deformiert. Als Folge konnte Connie Culp keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und musste per Sonde ernährt werden, aus einer Tasse trinken war ebenso wenig möglich wie sich verständlich zu artikulieren.

23 rekonstruktive Eingriffe schlugen fehl

In den Jahren 2004 bis 2008 wurde mit 23 rekonstruktiven Operationen versucht, ihr Gesicht und damit Funktionen wie Essen und Sprechen wieder herzustellen. Dabei erhielt sie zahlreiche autologe Knochen-, Muskel- und Hautübertragungen. Dennoch scheiterten sämtliche Bemühungen, ihr wieder ein menschliches und funktionsfähiges Gesicht zu verleihen. Connie Culp traute sich kaum noch auf die Straße.

Im vergangenen Jahr boten ihr Ärzte um Professor Maria Siemionow von der Cleveland Clinic als letzten Ausweg eine fast komplette Gesichtstransplantation an. Ein achtköpfiges Chirurgenteam begann am 9. Dezember 2008 mit der Übertragung. Spenderin war eine hirntote Frau mit zwei gemeinsamen HLA-Antigenen. In der 22 Stunden dauernden Operation übertrugen die Ärzte fast 80 Prozent des Gesichts, inklusive Nase, Oberlippe, Augenlider, Oberkiefer - zum Teil mit Zähnen - Palatinum und zahlreiche Drüsen.

Etwa zweieinhalb Stunden, nachdem die Ärzte die wichtigsten Gefäße verbunden und die Gefäßklammern abgenommen hatten, färbte sich das Transplantat wieder rosa - die Perfusion klappte. Erst jetzt wurden die Gesichtsnerven von Spender und Donor miteinander verbunden, berichtet Siemionow online in der Zeitschrift "The Lancet".

CT-Modell des Gesichts vor (A) und nach (B) der Transplantation. Auch weitgehend zerstörte Gesichtsknochen wurden erfolgreich ersetzt.

CT-Modell des Gesichts vor (A) und nach (B) der Transplantation. Auch weitgehend zerstörte Gesichtsknochen wurden erfolgreich ersetzt.

© Fotos: The Lancet

Die Patientin erhielt nach der Op einen Cocktail aus verschiedenen Immunsuppressiva, der Abstoßungsreaktionen weitgehend verhinderte. Lediglich 47 Tage nach dem Eingriff kam es zu einer Reaktion gegen die Mukosa des Transplantats. Mit einem 1-g-Bolus Methylprednisolon bekamen die Ärzte das Problem aber in den Griff.

Sprechen, Riechen, Essen - das ist jetzt wieder möglich

Das Ergebnis sechs Monate nach der Op überrascht: Die Sprache ist wieder gut verständlich, Connie Culp kann normal essen und trinken, sogar der Geruchssinn ist vollständig wieder hergestellt, und auch die starken Schmerzen, die sie durch Gewebekontraktionen infolge der vorhergehenden Operationen hatte, sind praktisch verschwunden.

Die Oberlippe und Augenlider kann sie zwar noch nicht ganz normal bewegen, aber die Gesichtsmotorik, so vermuten die Ärzte, wird sich noch weiter verbessern. Auch die Ästhetik ist noch nicht optimal - überschüssige Haut hängt etwas schlaff herunter. In einer kleinen Op in einigen Monaten wollen Chirurgen diesen Schönheitsfehler noch korrigieren.

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