Ebola

"Ärzte ohne Grenzen" geht Merkel an

Bei der Bewältigung der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die internationale Staatengemeinschaft kläglich versagt, betont "Ärzte ohne Grenzen" in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch der Bundesregierung wird Tatenlosigkeit vorgeworfen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Überforderte Hilfsdienste: In einem Vorort von Monrovia in Liberia werden Leichen von Ebola-Opfern abtransportiert.

Überforderte Hilfsdienste: In einem Vorort von Monrovia in Liberia werden Leichen von Ebola-Opfern abtransportiert.

© Ahmed Jallanzo / epa / dpa

BERLIN. Die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika ist eine in dieser Art nie da gewesene Katastrophe, betont "Ärzte ohne Grenzen" in einem offenen Brief an Angela Merkel.

Und: "Anstatt mit aller Entschlossenheit die in Deutschland vorhandenen Kapazitäten zum Aufbau und Betrieb von Isolierstationen und anderer medizinischer Maßnahmen zu nutzen, beschränkt sich das deutsche Engagement bislang lediglich auf die finanzielle Unterstützung vor Ort tätiger Organisationen", kritisiert die Hilfsorganisation in dem Brief.

Die Mediziner in den betroffenen Ländern seien am Ende ihrer Kräfte, sagte der Chef der deutschen "Ärzte ohne Grenzen"-Sektion, Tankred Stöbe, am Mittwoch dem Bayerischen Rundfunk.

"Wir haben seit Juni gewarnt, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten ist - und das tun wir nicht leichtfertig. Weitere Monate sind verstrichen und die deutsche Regierung tut bisher nichts", so Stöbe.

In dem Brief schreibt "Ärzte ohne Grenzen" zudem: "Obwohl einzelne Staaten wie die USA ihre Hilfsprogramme deutlich aufgestockt haben, liegt eine effektive und angemessene Reaktion immer noch in weiter Ferne."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zwar am Mittwoch zusätzliche Ebola-Hilfe in Form von Lufttransporten versprochen. Aber auch der angekündigte Transport einer Krankenstation in das Krisengebiet sei ohne zugehöriges Personal wirkungslos.

Es könne nicht sein, dass die Bekämpfung einer solchen Epidemie Nichtregierungsorganisationen vor Ort überlassen werde, so "Ärzte ohne Grenzen". Die Organisation hat nach eigenen Angaben 2000 Helfer in der Region. Die Hilfskräfte müssten aber wegen der hohen Belastung immer wieder ausgetauscht werden.

"Wir brauchen Krankenhäuser und Isolierstationen mit ausgebildetem Personal", sagte Stöbe. "Das betrifft sowohl zivile als - in diesem Ausnahmefall - auch militärische Teams; diese dürften aber nur für medizinische Zwecke eingesetzt werden", heißt es in dem offenen Brief dazu: Deutschland habe hier eine politische und militärische Verantwortung.

Luftbrücken schaffen

Inzwischen hat das EU-Parlament eine massive Aufstockung der Ebola-Hilfe gefordert, meldet die Nachrichtenagentur "dpa". Mit Luftbrücken und dem Einsatz militärischer Mittel sollte der Kampf gegen die Epidemie massiv verstärkt werden.

Der UN-Sicherheitsrat solle mit den USA und den betroffenen Ländern den Einsatz militärischer und ziviler Mittel prüfen, hieß es in einer Entschließung der Volksvertretung am Donnerstag in Straßburg.

Die EU-Länder wurden aufgefordert, Luftbrücken zu schaffen, um Ärzte, medizinisches Personal und Ausrüstungen in die betroffenen Regionen zu bringen. Die EU-Minister sollten auf einem Sondertreffen einen Notfallplan ausarbeiten, um medizinische und humanitäre Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.

Die Grünen beklagten eine zu späte Reaktion auf die Epidemie, die vor sechs Monaten bekannt wurde. In den betroffenen Ländern herrsche eine "wahre Kriegssituation, die ein vernünftiges Krisenmanagement unmöglich macht", sagte die französische Grünen-Abgeordnete Michèle Rivasi.

In erster Linie sind die westafrikanischen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone betroffen.Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation haben sich etwa 5000 Menschen mit dem Ebola-Erreger angesteckt. Davon ist etwa die Hälfte gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Lesetipps
Knochen schematisch dargestellt

© crevis - stock.adobe.com

Komplikationen

Bei Diabetes mellitus auch die Knochen in den Blick nehmen

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen