Epidemiologie

Afrika: Jeder Zwanzigste hat Diabetes

Forscher haben Daten von knapp 40.000 Menschen aus Staaten südlich der Sahara analysiert. Sie stellen fest: Zwei von drei Diabetes-Kranken wissen nichts von ihrem Stoffwechselproblem.

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HEIDELBERG. Die Auswertung von Daten aus zwölf Ländern südlich der Sahara hat ergeben: Fast alle Diabetes-Patienten werden nicht ausreichend behandelt; vor allem Menschen mit geringer Ausbildung und Junge wissen oft nichts von ihrer Erkrankung; Versorgungsstrukturen und Präventionsstrategien fehlen (The Lancet Diabetes & Endocrinology 2016, 4,11: 903–912 und 875–877).

Bluttests und Gesundheitssystemdaten von rund 38.000 Menschen aus zwölf Staaten südlich der Sahara flossen in die Diabetes-Studie ein, die ein internationales Team um Professor Till Bärnighausen, Leiter des Instituts für Public Health am Universitätsklinikum Heidelberg und Humboldt-Professor an der Universität Heidelberg, jetzt veröffentlicht hat.

Jeder Zwanzigste hat Diabetes

Die Ergebnisse sind alarmierend: Rund fünf Prozent der Erwachsenen in den untersuchten Staaten haben Diabetes, wobei es starke Schwankungen gibt, teilt das Universitätsklinikum Heidelberg zur Veröffentlichung der Studie mit. Rund zwei Drittel der Betroffenen wüssten nicht, dass sie erkrankt sind – besonders Menschen mit geringer Ausbildung und junge Menschen.

Die Datenauswertung zeigt, dass Diagnostik, Therapie und Prävention kaum angeboten werden. So haben nur ein Drittel der Diabetes-Patienten – und nur ein Viertel der Risikogruppe der Übergewichtigen oder Fettleibigen – jemals eine Blutzuckermessung erhalten. Weniger als die Hälfte der Diabetespatienten wurden jemals zu Aspekten des Lebensstils beraten – und nur ein Viertel wurde jemals behandelt.

Neue Herausforderung für die Gesundheitssysteme

In den letzten Jahren lag der Fokus der Gesundheitspolitik auf dem Subkontinent auf der Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, erinnert das Uniklinikum Heidelberg in seiner Mitteilung. Hier seien große Erfolge erzielt worden.

"Jetzt müssen die Gesundheitssysteme Afrikas zusätzlich so ausgestattet werden, dass sie die Lebensstilerkrankungen Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck erfolgreich vorbeugen und behandeln können", wird Bärnighausen in der Mitteilung zitiert.

Unterschiedliche Datenqualität

Um geeignete Konzepte für Gesundheitssysteme Afrikas zu entwickeln, braucht es noch mehr und bessere Daten. In der aktuellen Studie haben die Forscher Daten von national-repräsentativen Erhebungen der Jahre 2005 bis 2015 aus zwölf Staaten, zum Beispiel Kenia, Tansania, Uganda und Benin, ausgewertet.

"Wir haben darauf geachtet, möglichst nur Datenerhebungen einzubeziehen, die repräsentativ sind für die jeweilige Bevölkerung. Es gibt allerdings Schwankungen in der Qualität dieser Daten. Dies müssen wir in unseren Analysen und Interpretationen beachten", so Bärnighausen in der Mitteilung.

Auch Daten zu Cholesterin sollen erhoben werden

In weiteren Forschungsarbeiten werden die Heidelberger Wissenschaftler Datensätze aus weiteren Ländern in Afrika sowie in Asien und Lateinamerika analysieren. Auch werden sie ähnliche Analysen für hohen Blutdruck und erhöhten Cholesterinspiegel durchführen.

"Zuerst müssen wir verstehen, welche Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Regionen der Welt von diesen Erkrankungen betroffen sind und wie die Leistungen des Gesundheitssystems zwischen den Bevölkerungsgruppen variieren. Dann können wir Maßnahmen entwickeln und diese vor Ort untersuchen, um Gesundheitssysteme gezielt und langfristig zu verbessern." (eb)

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