Akuter Bauchschmerz nach dem Oktoberfest

Nicht eine verdorbene Weißwurst war die Ursache akuter Bauchschmerzen nach einem Besuch des Münchner Oktoberfestes, sondern die Infektion mit einem TB-Erreger.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Verdicktes Peritoneum mit deutlicher Kontrastmittelaufnahme.

Verdicktes Peritoneum mit deutlicher Kontrastmittelaufnahme.

© Foto: Dr. Florian Beigel, Klinikum Großhadern

MÜNCHEN. Bei unspezifischen abdominellen Beschwerden mit Fieber und Gewichtsverlust muss bei bestimmten Patienten an die lebensgefährliche Peritonealtuberkulose gedacht werden.

Und zwar vor allem bei Diabetikern und HIV-infizierten Patienten sowie bei vorliegender Leberzirrhose oder bei Patienten, die eine Peritonealdialyse erhalten. Die Sterberaten bei Patienten mit Peritoneal-TB lägen bei bis zu 50 Prozent, berichten Dr. Florian Beigel und seine Kollegen von der Medizinischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München (Der Gastroenterologe 2, 2008, 144).

Akute Bauchschmerzen und Fieberschübe

Beigel schildert den Krankheitsverlauf eines 24-jährigen Mannes aus Somalia, der sich nach dem Besuch des Münchner Oktoberfestes mit Bauchschmerzen in der Notaufnahme der Klinik vorstellte. Er gab außerdem an, seit sechs Monaten immer wieder unter Fieberschüben bis 39°C zu leiden und in dieser Zeit etwa zehn Kilogramm Gewicht verloren zu haben.

Die klinische Untersuchung war bis auf eine rektal gemessene Temperatur von 38,3°C und einem diffusen Druckschmerz im rechten Oberbauch unauffällig. Die Sonografie ergab lediglich etwas freie Flüssigkeit im Abdomen, das Röntgen-Thorax-Bild war in Ordnung.

Allerdings waren die Werte des C-reaktiven Proteins mit 10,5 mg/dl und der Laktatdehydrogenase mit 291 U/l erhöht. Die Abdomen-Computertomografie zeigte dann ein insgesamt verdicktes Peritoneum mit kräftiger Kontrastmittelaufnahme. Auch das Mesenterium stellte sich auf den Bildern streifig-verdickt dar. Es folgte die diagnostische Laparoskopie. Dabei sahen die Kollegen einen trüb-braunen Aszites und multiple weißliche Stippchen auf dem Peritoneum. Die Schnellschnittuntersuchung der Biopsie ergab epitheloidzellig-granulomatöse Entzündungen mit Nekrosen und Langhans-Riesenzellen - makroskopisch typische Zeichen einer Peritoneal-TB, so Beigel.

Aszites-Kultur war erst nach Wochen positiv

Allerdings konnte mit der Analyse des Aszites mit der Polymerase-Kettenreaktion noch nicht Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen werden. Die Aszites-Kultur ergab erst nach mehreren Wochen einen positiven Befund.

Trotzdem und wegen eines positiven Tuberkulin-Tests bei dem Patienten begannen die Münchner Gastroenterologen sofort mit einer antituberkulösen Vierfachkombination mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol. Klinische und Laborbefunde besserten sich daraufhin rasch.

Nach vier Wochen konnte der Patient das Krankenhaus verlassen. Die Behandlung wurde für weitere zwei Monate fortgesetzt, danach für vier Monate auf Isoniazid und Rifampicin umgestellt.

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