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Antibiotika-Resistenzen

"Allgemeinmediziner sind leider Schlusslicht"

Die Politik hat sich 2015 erstmals groß dem Thema Antibiotika-Resistenzen gewidmet. Wirkt sich das auf den Praxisalltag aus? Und wie gehen einzelne Fachgruppen das Problem an? Die "Ärzte Zeitung" hat Kollegen aus vier Disziplinen gefragt, darunter auch Dr. Margrit Hollenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin.

Von Andrea Wehrens Veröffentlicht:
Dr. Margrit Hollenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Rödental

Dr. Margrit Hollenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Rödental

© Stawinski

Ärzte Zeitung: Die Politik hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Antibiotika-Resistenz befasst. Gröhes 10-Punkte-Plan, DART 2020, G7-Gipfel – was ist davon in Ihrer Praxis angekommen?

Dr. Margrit Hollenz: Von der Politik her gesehen relativ wenig. Ich glaube, dass meine Kollegen sich wenig mit der politischen Seite der Antibiotika-Resistenz beschäftigen. Wir sehen den Patienten, und für uns zählt das Individuum und nicht die globale Resistenzlage. Die müssen die Politiker lösen. Aber wir wissen alle, dass es für Patienten immens wichtig ist, dass wir sehr sorgfältig mit der Antibiotika-Verordnung umgehen.

Die Politik redet, Ärzte müssen handeln – wie gehen Sie bei der Therapie von Atemwegsinfekten vor, um der Entstehung von Antibiotika-Resistenzen entgegenzuwirken?

Das Primäre ist, dass der Patient von Individuum zu Individuum und von Krankheitsfall zu Krankheitsfall unterschiedlich ist. Als erstes schaue ich, wo die Hauptsymptomatik ist, ob etwa bei einem Infekt der oberen Luftwege die Symptome mehr im Nasen-Rachenbereich sind oder mehr die bronchiale Situation im Vordergrund steht. Dann frage ich nach anamnestisch wichtigen Dingen. Ich muss natürlich bei chronischen Grunderkrankungen anders vorgehen als bei Patienten, die keinerlei Belastungen haben. Und dann steht bei einer Diagnose unkomplizierter Infekte der oberen Luftwege für mich ganz klar die Phytotherapie an erster Stelle – nicht erst seit ich von der Resistenzentwicklung gehört habe.

Welchen Stellenwert haben Phytopharmaka in Ihrer Praxis bei der Behandlung von Atemwegsinfekten?

Wenn ich bei einem Patienten die Diagnose unkomplizierter Infekt der oberen Luftwege stelle, sind Phytopharmaka für mich seit 35 Jahren das Mittel der ersten Wahl. Und dann wähle ich das passende Phytopharmakon, je nachdem, wo die Symptomatik am stärksten ausgeprägt ist. Und was meiner Meinung nach auch ganz wichtig ist: dem Patienten die Wirkweise zu erklären. Zu erklären, was bewirkt es, was macht es, damit er auch am Ball bleibt. Und ich spare damit mit Sicherheit im Interesse des Patienten Antibiotika ein.

Wenn Sie Ihre eigene Fachgruppe betrachten in Hinblick auf deren Rolle beim Trend hin zum rationalen Einsatz von Antibiotika, wo sehen Sie die Allgemeinmediziner: Vorreiter oder Schlusslicht?

Ich denke leider Schlusslicht. Seit ich mich mit der Thematik intensiv beschäftigte, habe ich mal kritisch das Verhalten meiner Kollegen beäugt und habe leider schon den Eindruck, dass viel zu schnell zum Antibiotikum gegriffen wird, wo ich an der Stelle immer erst das Phytotherapeutikum eingesetzt hätte. Deswegen denke ich, dass da noch sehr viel Informationsarbeit zu leisten ist. Dem Patienten ist ja nicht damit gedient, wenn er sagt, er will aber nächste Woche zum Radfahren gehen und muss schnell gesund werden, und ich mich vom Patienten beeinflussen lasse und fälschlicherweise ein Antibiotikum einsetze.

Das vollständige Interview gibt es als Video unter http://tinyurl.com/zcmz6kj. Dort stehen auch die Interviews zu den gleichen Fragen mit Kollegen aus Innerer Medizin, Pädiatrie und HNO-Heilkunde.

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