Gentechnik

Alternative zu Embryozellen entwickelt

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MADISON / KYOTO (ple). Als eine "Sensation" bezeichnet der Stammzellforscher Professor Hans Schöler aus Münster die jetzt gelungene Umwandlung humaner Hautzellen in Zellen, die embryonalen Stammzellen sehr ähneln. Auf die Forschung mit humanen Embryo-Stammzellen könne jedoch noch nicht verzichtet werden.

Kolonie aus Zellen, die humanen Embryo-Stammzellen sehr ähneln. Sie entstanden durch Reprogrammierung von Hautzellen.

Kolonie aus Zellen, die humanen Embryo-Stammzellen sehr ähneln. Sie entstanden durch Reprogrammierung von Hautzellen.

© Foto: Junying Yu, Uni Wisconsin

Ganz anders sieht das Dr. Peter Liese, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bioethik der größten Fraktion im Europäischen Parlament: "Die aktuellen Meldungen über die Reprogrammierung von Hautzellen zu quasi-embryonalen Stammzellen sind ein Grund mehr, das Stammzellgesetz in Deutschland nicht zu ändern." Das Gesetz verbietet die Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen, die nach dem 1. Januar 2002 aus getöteten Embryonen gewonnen wurden.

Wissenschaftlern aus Japan und den USA ist es gelungen, mit Hilfe von nur vier Genen menschliche Hautzellen in einen Entwicklungsstand zu versetzen, der dem embryonaler Stammzellen sehr ähnlich ist. Wie die Forscher in den Online-Ausgaben von "Science" und "Cell" berichten, ließen sich aus solchen reprogrammierten Zellen in der Kulturschale Zellen aller drei Keimblätter, etwa Neuronen und Herzzellen, entwickeln.

Die japanische Arbeitsgruppe um Dr. Shinya Yamanaka verwendeten für die Reprogrammierung die Genet Oct3/4, Sox2, Klf4 und c-Myc. Die US-Forscher um Dr. James Thomson verwendeten die Gene Oct4, Sox2, NANOG und Lin28.

Schöler warnte vor überzogenen Hoffnungen, berichtet dpa: "Wer daraus jedoch den Schluss zieht, dass Forscher von nun an sofort auf die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen verzichten könnten, begeht einen schweren Denkfehler." Noch sei etwa nicht klar, ob die neuen Zellen tatsächlich das Potenzial echter embryonaler Stammzellen hätten.

Zudem gebe es noch keine Möglichkeit, die Viren, mit denen die vier Gene ins Erbgut der Hautzellen eingeschleust wurden, wieder zu entfernen. Vor einer therapeutischen Nutzung müssten noch etliche wissenschaftliche Fragen geklärt werden.

Aus humanen embryonalen Stammzellen und nun den reprogrammierten Zellen, die sich zu allen mehr als 200 Zellarten des Körpers entwickeln können, erhoffen sich Forscher, Ersatz für erkranktes Gewebe entwickeln zu können.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Neue Erkenntnisse, aber keine Sensation

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