Herzrhythmus-Störungen

Antikoagulation ja oder nein? Punkteliste hilft!

ATLANTA (gvg). Die Empfehlungen zum Beginn einer Antikoagulationstherapie bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern variieren. Beim US-Kardiologie-Kongreß plädierten Experten, eine einfache Punkteliste als Entscheidungshilfe zu nutzen.

Veröffentlicht: 17.03.2006, 08:00 Uhr

Bei dem CHADS2-Score werden Punkte für Risikofaktoren eines thrombembolischen Schlaganfalls vergeben: jeweils ein Punkt für Herzinsuffizienz (congestive heart failure, C), Hypertonie (H), ein Alter ab 75 Jahren (A), Diabetes mellitus (D) sowie zwei Punkte für vorangegangenen Schlaganfall oder TIA (S).

Maximal sind bei CHADS2 also sechs Punkte zu vergeben. Nach Patientendaten aus dem Nationalen Vorhofflimmern-Register der USA korreliere die Zahl an Punkten in dieser einfachen Liste genau mit der Schlaganfallgefahr. Darauf wies Professor Eric Prystowsky vom St. Vincent-Krankenhaus in Indianapolis im US-Staat Indiana hin.

Patienten mit Vorhofflimmern ohne einen der Risikofaktoren haben, verglichen mit der Allgemeinbevölkerung, ein um den Faktor 1,8 erhöhtes Schlaganfallrisiko. Haben sie einen Punkt, liegt das Risiko 2,8mal höher, bei zwei Punkten viermal, bei drei Punkten sechsmal und bei vier Punkten 8,5mal. Bei fünf und sechs Punkten schließlich ist das Risiko zwölf- und 18fach erhöht.

Die beiden US-Fachgesellschaften ACP und AAFP, die vor allem Kollegen in der Primärversorgung repräsentieren, empfehlen daher eine orale Antikoagulation ab einem CHADS2-Punktwert von zwei; eine Empfehlung, der sich Prystowsky in Atlanta anschloß.

Auch in Deutschland sei die Empfehlung gebräuchlich, junge Patienten ohne Risikofaktoren nicht mit Antikoagulantien zu therapieren; alle anderen aber schon, solange keine Kontraindikation besteht. Dies werde in der Praxis nicht umgesetzt, so Prystowsky auf der von Sanofi-Aventis unterstützten Veranstaltung.

Nach der Euro Heart Survey wird etwa ein Drittel der Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen Antikoagulation indiziert sind, nicht behandelt. Und knapp die Hälfte derer, die keine solche Therapie bräuchten, erhielte sie doch. CHADS2 könne Ärzten in der Primärversorgung bei der Therapie-Entscheidung helfen, so Prystowsky.

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