Arzneimittel-Suche mit Gewebe aus verjüngten Zellen

Eine erste Anwendung induzierter pluripotenter Stammzellen entwickelt sich derzeit beim Arznei-Screening.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN-BUCH. Vor knapp fünf Jahren haben japanische Wissenschaftler gezeigt, dass aus Körperzellen durch Reprogrammierung pluripotente Stammzellen (iPS) erzeugt werden können. Seither gelten diese iPS-Zellen als große Hoffnungsträger mit Blick auf eine ethisch unproblematisch, individualisierte Stammzelltherapie.

Der Stammzellexperte Professor Rudolf Jaenisch vom Whitehead-Institut in Cambridge in Massachusetts glaubt allerdings nicht daran, dass eine Transplantation von Geweben, die aus iPS-Zellen erzeugt werden, schon absehbar ist.

"Davon sind wir noch weit weg, und da sollten wir auch niemandem zu große Hoffnungen machen", sagte er bei einer Pressekonferenz aus Anlass der Tagung "Stem Cells in Development and Disease" am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin.

Eines der Probleme der iPS-Zellen ist, dass für die Reprogrammierung derzeit noch Retroviren benötigt werden. Ein weiteres Problem: die mögliche Tumorentstehung durch undifferenzierte Zellen. Beide Probleme seien bis jetzt nicht gelöst. Es gebe allerdings viele Ansätze, um undifferenzierte Zellen abzutrennen und Retroviren zu vermeiden.

Diese müssten jetzt optimiert werden. Ganz konkreten klinischen Fortschritt bringen könnte schon jetzt die Verwendung von aus iPS-Zellen gewonnenen Krankheitsmodellen in der pharmazeutischen Forschung. Hier gebe es zunehmend Anfragen, die neuen Zelllinien für Drug-Screening-Projekte einzusetzen, betonte Professor Hans R. Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster.

"Mit embryonalen Stammzellen wollten viele pharmazeutische Unternehmen nicht arbeiten, weil sie um ihre Reputation fürchteten", so Schöler. Die iPS-Zelle habe die Stammzellforschung für "Big Pharma" salonfähiger gemacht.

Trotz aller Fortschritte der iPS-Forschung bleibe es wichtig, auch mit embryonalen Stammzellen zu arbeiten, unter anderem, weil diese Zellen als Referenz benötigt würden.

Mit der politischen Regulierung der Stammzellforschung in Deutschland ist Schöler zufrieden: Die verfügbaren Zelllinien reichten derzeit aus. Künftig könne sich das aber durchaus änder, wenn die internationale Forschung bessere Zelllinien entwickeln sollte.

Mehr zum Thema

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Evidenz-Update

Wohl kaum Fortschritte in der Tremortherapie

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Lesetipps
Knochen schematisch dargestellt

© crevis - stock.adobe.com

Komplikationen

Bei Diabetes mellitus auch die Knochen in den Blick nehmen

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen