Atomoxetin bessert Sozialverhalten bei ADHS

BREMEN (ugr). Bei vielen Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden durch Medikamente weitere Behandlungen wie Ergo- oder Verhaltenstherapie überhaupt erst möglich. Besonders wirksam lassen sich dabei die Symptome mit dem Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin reduzieren, sagt Dr. Ulrich Kohns aus Essen.

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Atomoxetin (Strattera®) ist seit März 2005 zur Behandlung von Kindern ab sechs Jahren und Jugendlichen mit ADHS zugelassen. Die Wirkstärke sei ähnlich wie die von Methylphenidat, die neue Substanz habe jedoch keine psychostimulierende Wirkung, sagte der Pädiater beim Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Bremen.

Die Substanz blockiert selektiv den präsynaptischen Noradrenalin-Transporter und erhöht so die Noradrenalin-Konzentration im synaptischen Spalt. Die Affinität zu anderen neuronalen Transportern und Rezeptoren sei gering.

Nach den Ergebnissen der Zulassungsstudien verringere die Behandlung mit Atomoxetin Unaufmerksamkeit, Impulsivität und motorische Unruhe, sagte Kohns bei einer Veranstaltung von Lilly. Dadurch bessere sich auch das Verhalten der Betroffenen.

"Es gelingt den Kindern besser, sich in die Schule oder die Familie zu integrieren", so der Pädiater. Die Wirkung von Atomoxetin halte bei einer einmal täglichen Gabe kontinuierlich über den Tag an.

Bisher seien bereits drei Millionen Kinder und Jugendliche weltweit mit Atomoxetin behandelt worden, etwa 10 000 davon in Deutschland, sagte Kohns. Bei der Therapie rät Kohns zu Geduld. Anders als unter Methylphenidat setze die Wirkung von Atomoxetin nicht umgehend ein, sondern nehme in der Regel beständig innerhalb von einigen Wochen zu.

Der Pädiater empfiehlt, langsam aufzudosieren. So habe es sich bewährt Atomoxetin schrittweise von initial 0,5 mg auf die Zieldosis von 1,2 mg pro Kilogramm Körpergewicht zu steigern und parallel die Methylphenidat-Dosis langsam bis auf Null zu reduzieren.

Atomoxetin unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Komorbide Störungen wie Tics, Angststörungen oder oppositionelles Verhalten seien keine Kontraindikationen. In den Zulassungsstudien habe sich der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer als gut verträglich erwiesen.

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