Direkt zum Inhaltsbereich

Benigne Prostatahyperplasie

Auch Cholesterin könnte eine Rolle spielen

In den letzten sechs Jahrzehnten wurden pathogenetische Zusammenhänge identifiziert, die möglicherweise bei der Entstehung einer BPH involviert sind.

Veröffentlicht:

Steroidhormone und Hormonrezeptoren: Androgene spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der BPH.

Zum einen sei bekannt, dass Kastraten keine BPH entwickeln. Zum anderen bewirke die bei Patienten operativ oder chemisch induzierte Kastration eine Volumenreduktion hyperplastischer Prostatae, berichtet das Team um Dr. Philipp Weinhold aus München (MMW - Fortschritte der Medizin 2013; 155 (14): 35-38).

Andererseits habe kein Zusammenhang zwischen dem im Alter abnehmenden Serumtestosteronspiegel und dem Prostatavolumen hergestellt werden können.

Das für die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) verantwortliche Enzym ist die 5-alpha-Reduktase Typ 2. Der Androgenrezeptor und die 5-alpha-Reduktase werden überwiegend von luminalen Epithelzellen und Stromazellen der Prostata exprimiert.

5-alpha-Reduktasehemmer häufig verwendet

Mehr zum Thema

Männer - das starke oder doch schwache Geschlecht? Ausführliche Informationen im Dossier Männergesundheit der "Ärzte Zeitung" ...

DHT habe eine höhere Affinität zum Androgenrezeptor als Testosteron und induziere u. a. - verursacht durch verschiedene Wachstumsfaktoren - eine Proteinsynthese, erläutern die Autoren um Weinhold.

Daher werde für die BPH-Therapie häufig ein 5-alpha-Reduktasehemmer verwendet, um nicht nur eine Größenzunahme zu verhindern, sondern vielmehr auch eine Größenreduktion zu erreichen.

Im Alter bleiben die intraprostatischen DHT-Level sowie die Androgenrezeptordichte generell unverändert. Auch bei per transurethraler Resektion der Prostata nachgewiesener BPH konnte keine intraprostatische Erhöhung der DHT-Konzentration und des Androgenrezeptors nachgewiesen werden, sodass die genaue Wirkweise der Androgene in der Pathogenese der BPH unklar bleibt.

Genetische Faktoren: Mittlerweile sei eine genetische Disposition bei der Entstehung der BPH unbestritten, so Weinhold und seine Kollegen. In Regressionsanalysen habe ein autosomal dominanter Erbgang festgestellt werden können.

Bei Patienten , 60 Jahren scheint in über 50 Prozent der Fälle eine genetische Disposition vorhanden zu sein, bei Patienten über 60 Jahren hingegen nur bei 9 Prozent. Die familiäre Form scheint eher durch hohe Prostatavolumina und niedriges Alter bei Symptombeginn gekennzeichnet zu sein.

Chronische Entzündung der Prostata: Vom hyperplastischen Umbau, der zur BPH führt, ist exklusiv die Transitionalzone der Prostata betroffen. Diese umfasst den kranialen Anteil der prostatischen Harnröhre.

Es kommt zu einem erneuten Aussprossen von bereits vorhandenen Drüsengängen in das umgebende hyperplastische Stroma, und sog. BPH-Knoten bilden sich aus.

In einer klinischen Studie wurde bei histologisch nachgewiesener BPH in 75 Prozent der Fälle eine begleitende chronische Entzündung, v. a. in der Transitionalzone, bestätigt, wie das Team um Weinhold berichtet.

Bei nicht vorbestehender BPH traf das in bis zu 55 Prozent der Fälle zu. Außerdem ergab sich eine positive Korrelation zwischen klinisch relevanter BPH und chronischer Prostatitis.

Metabolisches Syndrom: Diabetes, Adipositas und Hypercholesterinämie zeigen einen in Studien nachgewiesenen Zusammenhang mit der BPH. Die beim Diabetes auftretende Hyperinsulinämie hat eine direkte und indirekte proliferative Wirkung auf das Prostataparenchym.

In der Prostata werden Insulinrezeptoren exprimiert, die eine mitogene und antiapoptotische Wirkung entfalten.

Die Prostata ist ein aktiver Cholesterinspeicher. Tierstudien hätten ergeben, so Weinhold und Kollegen, dass nach medikamentöser Blockade der intestinalen Cholesterinaufnahme eine signifikante Reduktion des Prostatavolumens erreicht wird. (eb)

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rauchjahre statt Packungsjahre

Lassen sich die Kriterien fürs Lungenkrebs-Screening vereinfachen?

Lesetipps
Manche Menschen mit Adipositas haben ein vergleichsweise günstiges kardiovaskuläres Risikoprofil: offenbar vor allem diejenigen mit weniger zentraler Fettansammlung. (Symbolbild mit Fotomodell)

© sam richter / stock.adobe.com

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an